Durch Fotografie wird alles so schnell Erinnerung.
Letztens einen interessanten Satz über die Beatles gelesen. Sie würden sich an nicht viel erinnern können aus ihrer wilden Zeit in Liverpool und Hamburg, kein Wunder, sie hätten soviel erlebt. Das bringt was auf den Punkt, was mich auch angeht - und wahrscheinlich auch andere, die viel tun, wahrnehmen, erleben: Es bleibt nicht viel hängen im Kopf an Erinnerungen. Gerade beim Betrachten von Bildern, die an vielen Tagen im Jahr entstanden sind, wird das deutlich sowie ein Staunen: Soviel schon gemacht und erlebt in diesem Jahr! So ist die Fotografie Erinnerungshilfe, hilft beim Zurückverfolgen und Einordnen von Erlebnissen, hilft auch beim Erinnern und Einordnen von Zeitereignissen, die längst kein Thema mehr sind in den Medien und Köpfen. Am Beispiel der Montagsdemos im Ruhrgebiet läßt sich das für mich ganz gut nachvollziehen. Ich arbeite zur Zeit an einer Best of der Montagsdemos im Ruhrgebiet. Was sich jetzt alles daran sehen liesse aus der Distanz! Aber auch wie schnell alles untergeht, keine oder nur wenig gesellschaftliche Wirkung hat etc. Insofern ist die Fotografie, die laienhafte und semiprofessionelle, eine Hilfe für unsere überforderten Köpfe.
Ja, Ausdehnung des Nervensystems. Gleichzeitig schieße ich aber etwas in die Vergangenheit, in dem ich auf den Auslöser drücke, die Distanz, die ich durch das Tragen eines Fotoapparats und das Anvisieren durch den Sucher herstelle ist räumlicher Art, aber wenn ich abdrücke, weise ich dem Dargestellten einen Punkt in der Zeit zu: Vorhin. Die Digitalfotografie beschleunigt diesen Prozess, denn je schneller ich den Akt der Fixierung des Erlebten und Gesehenen zu einem Resultat (einem womöglich ausgedruckten Bild) gerinnen lassen kann, desto früher kann ich dem Vergangenen sein Vergangensein nachweisen. War mit diesen Bildern aus dem Freizeitpark sehr deutlich. Ein Freund von Paul war dabei (man sieht seine Beine in der Luft), und da ich ihm was mitgeben wollte von dem Tag, hatte ich eine halbe Stunde nach der Rückkehr von der Schwäbischen Alb eine CD parat, und zwei ausgedruckte Fotos. Schon ein wenig seltsam das alles.