Dann ist ein roter Schein am Himmel, und es knallt ab und zu. Das muss ganz in der Nähe sein. Ich springe auf, ziehe meine Jacke über, vergesse auch die Kamera und den Presseausweis nicht. Eine ganze Halle der Fabrik steht in Flammen. Ich habe noch nie ein Gebäude so brennen sehen. Die Feuerwehr ist mit vielen Wagen da, die Zuschauer sind da. Die Gäste umliegender Kneipen schauen zu, die Anwohner schauen zu, ich schaue zu, man hält die Fotohandys und die Kameras auf das Geschehen. Es brennt gewaltig, ich bin aufgeregt und ängstlich, ich kann nur hoffen, dass niemand verletzt wird oder stirbt. Ich halte meine Kamera, meine Kamera hält mich. Wenn es knallt, zucke ich zusammen. Flüchtige Gedanken an giftigen Rauch. Aufgeregte Feuerwehrleute rennen hin und her, sie bringen Leitern, sie müssen über den Zaun, der uns trennt, der das Firmengelände und die Straße trennt, den Brand und die Normalität. Sie tun sich schwer mit den Leitern, einer von ihnen ruft zu uns her: "Jetzt helft uns doch, steht doch nicht bloß rum!" Da haben sie es schon selbst geschafft, und klettern herüber. Ich würde es nie wagen, Feuerwehrleuten bei der Arbeit zur Hand zu gehen. Jetzt will einer anpacken, als sie Schläuche und anderes Equipment über den Zaun heben, sofort stiftet er Verwirrung. Der Ausruf des Feuerwehrmanns beschämt mich. Ich gehe nach Hause. Von meinem Fenster aus kann ich sehen: Der rote Schein am Himmel wird dunkler und dunkler. Schließlich wirkt alles normal. Ab und zu fahren noch Löschzüge vorbei. Ich hoffe, dass niemand verletzt wurde oder gestorben ist.















Wahnsinn. Was war das denn? Eine Lagerhalle?


Nein, es war eine Halle voller Werkzeugmaschinen. Ich hab dort als Student mal gearbeitet. Wo der Wind die Wolke hintrieb, soll man jetzt Fenster und Türen etc. Seltsame Gefühle der Ohnmacht, der Scham - hätte ich nicht hingehen sollen? Hätte ich nicht fotografieren sollen?


Manchmal kommt es mir auch so vor, als würde allein der Besitz der Kamera mich irgendwohin treiben. Einen Zwang auslösen. Die Kamera ist ein Katalysator für die menschliche Neugierde.


Ich wäre früher sicher auch hingegangen, aber die Kamera verwandelt die Neugier in etwas anderes, macht sie offiziell.