Daniel Kehlmann, Die Vermessung der Welt. Doch, doch, gut geschrieben. Viel Recherche, präziser Stil, trockene Dialoge usw. Aber irgendwann, so gegen Seite 100, fängt es an zu klappern. Man hat dann begriffen, dass Humboldt und Gauß mit der Idiotenwelt, die sie umgibt, nicht zurechtkommen. Man hat auch begriffen, was an den Seelentopographien der beiden Genies dafür verantwortlich ist. Die Idiotenwelt hingegen verrätselt sich immer mehr - is it a bug, is it a feature? "Rap", das war seltsamerweise der Begriff, der mir einfiel. Ein Rap-Song, der zu lange dauert. Eine Hochebene der Intelligenz - flach, aber auf hohem Niveau. Wird dann vermessen, Stück für Stück. Gegen Ende noch ein sehr schöner Schnappschuss vom historischen Beginn des Burschenschaftsunfugs. Wie da eine völlig verblödete Staatsmacht auf eine gleichermaßen verblödete Opposition trifft, das hat schon was. Kann man lesen, muss man nicht.






Find ich ja auch recht beruhigend, dass wir selbst in der Rückschau 200 Jahre später ebenfalls recht doof aussehen werden. Demokratiefördernd ausserdem: Man braucht kein Genie zu sein, um alle anderen ausser sich selbst für Deppen zu halten. Dafür sorgt schon das biologische Apriori des Hirns ohne direkten Draht nach draussen. Ich, zum Beispiel, entdeckte heute Morgen den Zufluss von der Kaffeemaschine zum Spülbecken-Amazonas. Jedermann sein eigner Humboldt.


Einer der schönsten running gags: Gauß schnappt irgendwo die Überzeugung auf, Napoleon habe wegen ihm auf den Beschuss Göttingens verzichtet. Das lässt er auch dann in Gespräche einfließen, wenn es überhaupt nicht passt, bis ihn jemand auf den Topf setzt (ich glaube Humboldt selbst). Gauß verhält sich in Kehlmanns Roman gegenüber seinem Sohn Eugen wie ein Vollidiot, weil Eugen eben nun einmal kein Genie ist. Da wirkt der König der Mathematiker ungeheuer begriffsstutzig. Möglicherweise auch wieder nur der x-te Aufguss eines alten Vorurteils gegen Mathematiker. Wie gesagt: intelligente Unterhaltung, mehr nicht.