Eine Bahnhofsbuchhandlung in Stuttgart. Vorne das übliche Zeug, weiter hinten das Material für die Kritischen. Wenn man sich ansieht, wovon die globalisierungskritische Buchwelt (Klein, etc.) umgeben und durchwachsen ist, könnte man das Fürchten bekommen. Oswald Metzger leistet sich einen Einspruch gegen den geplanten Staatsbankrott, als werde er persönlich gerade beraubt. Die Person Bush scheint ein großes Problem für die Welt zu sein, Amerika als Ganzes noch mehr, aber Bush ist ja ganz Amerika. Es gibt nur ihn, den heuchelnden, dummen Texaner, der die Welt mit Krieg überzieht. Auf den Buchdeckeln des globalisierungskritischen Merchandisings umklammern Kraken die Welt, markieren Großkonzerne mit ihren Markennamen rasierte Männerköpfe, wehen zerfetzte amerikanische Banner, usw. usf. Manche Bücher beschäftigen sich mit Gier, als sei sie das Problem (Oswald Metzger nickt von seinem Buchtitel herunter, ihn beschäftigt vor allem die Gier der Armen.) Die Kritik ist immer persönlich, symptomatisch oder moralisch, es geht immer um Turbokapitalismus, immer um miesen Charakter, die Schlechtigkeit eines Menschen, einer Clique, nie um die Sache selbst, die es bei all dem Getöse um ihre Auswirkungen gar nicht wirklich zu geben scheint. Auswüchse werden diagnostiziert, die der Milderung harren, tiefsitzende Probleme, deren Sitz nie benannt wird, Antworten werden ausgestreut wie Löschsand, der die darunter liegenden Tintenflecken der falschen richtigen Fragen aufsaugt, bindet, neutralisiert. Leute, die verdächtig Oswald Metzger oder Peter Scholl-Latour gleichen, stehen am Eingang dieses Fussballstadions und verteilen die Platzkarten. Jeder kriegt auch noch ein Buch nach seinem Geschmack, von Naomi Klein oder Arundhati Roy, es spielt ja nicht so eine große Rolle letztendlich. Jeder soll in seinen Block gehen, damit es anfangen kann. Für die Ultras stehen die Hundertschaften schon bereit.






Hello Lenin!

Bin ja jetzt nicht wirklich der große Lenin-Fan. Dafür hat der Mann zuviel Mist gebaut (z. B. Kronstadt). Aber was die Analyse angeht, halte ich seine Imperialismus-Theorie noch heute um Einiges besser als das Meiste, was heute unter "Globalisierungskritik" firmiert. Sehr schön, wie er schon 1917 die bürgerliche Kritik am Finanzkapital auseinandernahm. Sowas gibt´s heute nicht. Nehmen wir mal Jean Ziegler. Wortgewaltig prangert er das System an:

"Die vier apokalyptischen Reiter der Unterentwicklung heißen Hunger, Durst, Seuche und Krieg. Sie zerstören jedes Jahr mehr Männer, Frauen und Kinder, als es das Gemetzel des Zweiten Weltkriegs in sechs Jahren getan hat. Für die Menschen der Dritten Welt ist der „Dritte Weltkrieg“ in vollem Gange. [...] Ständiger Hunger und chronische Unterernährung sind von Menschen gemacht. Verantwortlich für sie ist die mörderische Ordnung der Welt. Wer auch immer an Hunger stirbt – er ist Opfer eines Mordes."

Soweit in Ordnung. Und dann kommt irgendein Käse über "das Imperium" USA, den "Killerkapitalismus" und die "gierigen Beutejäger". Dann doch lieber Marx oder Lenin. Aber auf mich hört ja eh keiner...


Das ist schade, meint man.


Stimme dir im wesentlichen zu. Allerdings: Ich lese gerade mit Schülern "No Logo!" von Klein - was mir, der ich das eine oder andere von Marx, Lenin et.al. gelesen habe, trivial, redundant und oberflächlich erscheint, ist für andere ein überraschender Perspektivwechsel, ein anderer Blick auf die Welt, der immerhin ein Anfang sein könnte.


Versteh mich recht: Es geht mir gar nicht um eine Pauschalbeurteilung von Kleins Buch, oder von Roys Gesamtwerk (den Text, den wir seinerzeit in der Linkskurve diskutiert haben, fand ich wirklich schlecht, und ich habe einen bestimmten Verdacht), sondern um den Aufbau auf diesem Büchertisch da. Das Zusammenspiel der Codes fand ich bemerkenswert, die Unterströmungen, die sich in dieser Konfiguration recht überirdisch bemerkbar machten - hätte es fotografieren wollen, könnte es morgen auch, aber die Kamera, natürlich ...


Verstehe. Apropos Kamera, wie ist die DSC-P92 denn sonst so? Brauche unbedingt auch so ein Teil, da ich gerne etwas mehr Feldforschung in ... sagen wir mal westeuropäischer Ethnologie machen will, aber welches bloß...?


Das ist unglaublich schwierig, ein Wahnsinnsdschungel an Modellen, Möglichkeiten, Preisen, usw. Von den Bildern her komme ich mit der DSC-P92 zurecht, schon bei einer geringen Auflösung von 1,2 MB kamen beim bloßen Drauflosknipsen (ohne Beachtung von Weissabgleich, Blitz-, ISO- usw. Einstellungen) ansprechende Resultate raus. Bei dieser Auflösung gehen selbst auf den mageren mitgelieferten Memory Stick (proprietäres Speichermedium von Sony) 24 Bilder drauf. Für Schnappschüsse allemal geeignet. Durchhaltevermögen der Akkus - so là là. Mit wahrscheinl. nicht völlig aufgeladenen Akkus waren mehrere Videositzungen drin (eine über 10 min u. mehrere kurze), aber dann musste auch schon die Reserve ran. Auf jeden Fall wären Ersatzakkus und ein Schnelllader (<a href=www.fotoschubert.de">wie der hier) miteinzuberechnen.


Beim Kauf von Sony-Kameras sollte man darauf achten, dass es ein Modell ist, das schon mit dem Memory Stick Pro zurechtkommt. Die älteren Modelle akzeptieren nur die alten Memory-Sticks, die nicht nur langsamer sind, sondern auch nur Kapazitäten bis 128 MB verarbeiten können. Bei Auflösungen von über 4 MP hat man gern mehr Platz.