Ein Verleger will Umschlagtexte. Ich schreibe für das Buch eines Freundes, das gut wird, einen Umschlagtext. Ein anderes Buch aus dem Verlag bespreche ich negativ, weil es ein Haufen Dreck ist. Was weder etwas über die anderen Texte desselben Autors noch über den Verlag als solchen sagt. Aber der Verleger will den Umschlagtext nicht mehr. Denn der Verleger will Domestiken.
Keywords: Klöpfer, Meyer, Bubeck, Oesterle, Stammheim, DVA.
Man langt sich ans Hirn. Eigentlich brauchen diese Würstlverkäufer ja gar keine Pressefreiheit.
Nein. Sie brauchen Vertriebskanäle. Und servile, kostenlose Domestiken.
Der Unterschied ist nur: Würstlverkäufer haben vielleicht noch Spurenelemente einer Restethik.
... beim Webseiten-Domestiken hat's nicht dafür gereicht, einen title-tag einzutragen. Der wird bestimmt geröstet und als Wurst verkauft.
Wenn jemand, der ein Buch herausbringt, welches schlecht besprochen wird, den Rezensenten nicht beschäftigen will, dann ist das unethisch? Kapier ich nicht.
Ach, ethisch ist das alles. Ethisch geht immer. Er hat mich nur vorher durch einen Freund wissen lassen, dass er von mir einen Umschlagtext wünscht. Kostenlos natürlich, was halt so Beschäftigungen sind im Kulturbetrieb. Gestern habe ich ihn zufällig im Kino getroffen, und er hat gefragt, wo der Text bleibt, ich habe das Buch des Freundes ja inzwischen gelesen, und sei es nicht hervorragend? Gleichzeitig habe ich ein anderes Buch aus seinem Verlag verrissen, weil es ein Scheißbuch ist. Danach ist er beleidigt, und will den Umschlagtext für das Freundesbuch nicht mehr (obwohl er ihn, das läßt er mir auch noch ausrichten, gut findet). Das übliche Ethos.
Jetzt kapier ich’s, danke.
Schon seltsam, aber sieht man häufiger: wie sehr das Unternehmertum dem Kindergarten gleicht, es nie nur um die Sache geht, sondern um Defizite.