Fernsehen, was für eine seltsame Sache. In Bayern gewesen zum Dreh: 1 1/2 Stunden für 4 Minuten Endprodukt. In einem fahrenden Zug, auf der Fahrt von München nach Nürnberg. 7 Beteiligte, 2 kommen ins Bild. Alles fünfmal wiederholt, jeder Satz, jedes spontane Nicken, jeder Einwurf, jedes Aufleuchten der Gesichter. Seien Sie spontan und natürlich, wir sind es übrigens auch. Sehr nettes Team. Der Moderator interessiert sich für die Khmer, die Regisseurin ist Benjamin-Leserin. (Kommt nächste Woche. Ich sag's dann.)






Spontanes Aufleuchten

sollte einem Schillerer wie Ihnen nicht schwerfallen :-)


Ach, beim fünften Mal schillert sich's dann schon etwas gezwungener ... I wasn't made for this.


Hier auch mal Radiotante am Start:

"Oh, das ist interessant, können Sie das nochmal ins Mikrofon sagen?""


Das war jetzt schon sehr schön. Gleich nochmal, wir hatten da eine Spiegelung in der Kamera ... ah ja, da wart ihr beide sehr lebendig, aber der Ton hat leider nicht gepasst. Das kriegen wir nicht in den Rest reingeschnitten, nochmal bitte ... eigentlich ganz gut, aber ein Funken mehr Begeisterung würde nicht schaden ...


Noch eine Beobachtung. Der Produktionsdruck ist so groß, dass er die üblichen Körpergrenzen niederwalzt. Bevor wir anfangen, macht die nette Regisseurin mit ihrem Puder mein Gesicht schön eben. Klare Sache. Plötzlich zupft sie mir auch den Hemdkragen zurecht - sinnvoll bei meinem Hemd, aber nicht abgesprochen, nicht angekündigt. Für eine Arbeitsumgebung doch relativ unüblich, wie mir erst lange nachher auffällt. Für eine bestimmte Einstellung möchte mir der ebenfalls sehr nette Kameramann über die Schulter filmen, das erfordert nicht nur, dass ich dem Moderator viel näher komme, als es normalerweise toleriert würde - um mich zu justieren, schiebt der Kameramann auch meinen Oberkörper hin und her. Plötzlich hält er mitten in der Bewegung inne und fragt: "Würden Sie ... darf ich Sie anfassen?" Ihm fiel es noch auf. Erstaunlich, wenn man bedenkt, wie tabu Berührung sonst ist.


Aua.

Und dieser Zahnarzt, der beim Bohren den Arm auf meiner Brust abgestützt hat, mit schmerzhaftem Druck gegen die Rippen gequetscht.


So ähnlich war es damals auch immer, wenn mein Vater an Heiligabend fotografiert hat. Aber Sie sind ja wenigstens erwachsen und haben ein Weblog, um es zu verarbeiten :-)