INSTANT NIRVANA
Mittwoch, 21. Juli 2004

Ja, ja, ja und ja. Dies ist schon ein schöner Parteitag, auch dafür können Blogs gut sein. Ein hervorragendes Dissertationsthema: "Gramsci und die Blogosphäre - Virtuelle Parteitage als Faktor im Kampf um die Meinungsmacht" (eingereicht beim Fachbereich Pataphysik an Universität Bielefeld). Hab ich hier "Basisdemokratie" gehört? Haha, gut gelacht, nächstes Thema. FrauenLesbenKomitee - dazu sag ich nur: bei FLK und BSK geht mit dem gender alles klar! Ich bin dafür! Beobachtung durch den Verfassungsschutz? die sollten auf Zack sein, was die Antideutschen angeht, da können wir nicht lange unbemerkt bleiben. kassenwart? Die Kasse wartet!

Nun aber zur Sachdiskussion. Wir sind hier zusammengekommen, um zu diskutieren, wie wir zum Untergang der BRD beitragen können. Als erstes schlage ich vor, dass wir uns generell gegen die Arbeit wenden. Das wird nicht einfach sein für einige von uns, wir sind fleißig, wir sind anal fixiert, wir wollen etwas leisten, wir sind Deutsche. Aber: Gleichzeitig muss uns allen klar sein, dass die Arbeit die Quelle allen Übels ist. Haltungsschäden im seelischen und körperlichen Bereich, Verbrauch schonenswerter Kräfte, Kapitalismus, Unfähigkeit zum Spiel und zum Sex, Hartz und Hölle, Pech und Schwefel, all das beruht auf der Arbeit. Was können wir tun gegen die Arbeit? Wir können sie nicht tun, aber das ist trivial. Das Recht auf Faulheit besteht, wir müssen es nicht ein weiteres Mal ausrufen. Wir müssen gegen die Arbeit aktiv werden. Wir müssen paradoxerweise fleissig gegen die Arbeit sein. Wir kennen den Absentismus, die Rauchpausen, wir kennen die Phasen, in denen wir exzessives Herumgebastel an unseren Computern als Arbeit tarnen, und dabei doch nichts anderes tun, als möglichst viel Chaos herzustellen um möglichst viel Zeit zu verschwenden. Wir kennen das übliche Gepfusche und Geschnipsel, um uns wenigstens zeitweise der Maschinerie zu entziehen. Und wir von der Brigade Schantal Konopaschke haben bereits unsere Selbstauflösung zum 1.9.04 beschlossen. Aber das ist nicht genug. Arbeit will aktiv bekämpft sein, Feuer muss mit Gegenfeuer beantwortet werden. Gestern schrieb ich in mein wirkliches Tagebuch:

Es ist so wichtig, Zeit verschwenden zu können, wenn einem danach ist. Im Getändel wachsen die Gedanken.

Kultur erwächst aus dem Spaziergang. Der Feind scheint alle Trümpfe in der Hand zu halten, wir lesen ja alle Zeitung. Demnächst dann 60-Stunden-Woche bei Löhnen auf Sozialhilfe-Niveau. Aber wir müssen bedenken, dass dieses Geschrei nur eine objektive Tendenz in unserer Gesellschaft verdeckt, die Tendenz zur Arbeitslosigkeit. Das heißt nicht, dass wir nur Sachwalter der zwingenden historischen Entwicklung sind. Wie wir wissen, ist die historische Entwicklung nicht zwingend, der Feind hält die Option des Faschismus immer offen. Wenn gar nichts mehr hilft, hilft die Galeere, und wenn nur im Kreis gerudert wird. Vor diesem Hintergrund folgende Frage: Sind wir für radikale Automatisierung? Und, daraus folgend: Sind wir für Lohnarbeitslosigkeit bei vollem Lohnausgleich? Die Debatte ist eröffnet. Ich muss erstmal zu einem Meeting.

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