Ich weiß nicht. Vielleicht hat ja auch gerade der Internet-Ersatzkaffee diese Illusion der Normalität befördert, auf die sich die Corona-Pegida jetzt stützen kann. Dass jede/r mit dem Smartphone ein kleines Fernsehstudio in der Tasche hat. Not macht erfinderisch, und mit all dem Erfindergeist sah es so aus, als sei die Welt sie selbst geblieben, halt bloß mit schlechterer Bildqualität und mehr Gesichtsmasken. Darunter: die Klopapierangst. Die Toten, die aber nicht zählten, sie waren ja anonym. – Der gespenstischste Tag bisher: der 21. März. Im Bahnhof der kleinen Stadt fuhren völlig leere Züge ein und aus. Eine unglaubliche Stille; die Straßen eine einzige Kulisse in einem aufgegebenen Theater. Ich hätte es kaum ausgehalten, dagegen auch noch anzuschweigen. Man konnte das Bedürfnis nach ein bisschen Lärm schon verstehen. Nur dumm, dass es so oft mit dem heißen Wunsch nach Selbstbetrug einherging. Die deutsche Welt blieb wieder einmal sie selbst. Siehe die Corona-Pegida.
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As a matter of fact [größer]
Wie wir litten. Am Anfang Klopapier, bis die Keller zu klein. Dann starben viele an Masken, viele, viele. Die Alten starben an irgendwas, keiner wusste genau, auch egal. Dann weniger Tote als möglich: alles nicht schlimm. Wir litten. Keine Bundesliga. Die Wirtschaft: jahrelang arm, und jetzt das. Die Wirtschaft sorgte sich um die Kinder. Kinder, egal wie die Alten, aber die Kinder: sagten auch wir. Genug geklatscht, Krankenhäuser leer, wir leiden auch, wir leiden mehr. Urlaub wartet wie hungriges Tier. Läuft hin und her, Urlaub. Bleckt die Zähne. Alles egal, alles vorbei. Bundesliga. Wirtschaft. Kinder. Urlaub. Wenn was passiert und wir leiden, wer ist schuld. Wir finden die Sau. Vielleicht ein Franzose. Vielleicht ein Chinese. Vielleicht irgendwer. Wir finden ihn.
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