Was dann von diesem Werte-Gefasel übrig bleibt: gedanklich konfuser, aber ideologisch eindeutiger Propagandadreck.
Das mit dem "gedanklichen Spagat" verstehe ich irgendwie nicht. Vernunft links, Wert rechts? Soweit auseinander, dass es wie eine Linie aussieht?
Zuerst wollte ich antworten: "Billiballa Budeldipup. Mucksti? Schronz." Aber man kann das ja auch als einen zaghaften Versuch des Autoren/der Autorin zur Distanzierung von der abgeschriebenen Pressemeldung sehen. Nur wird leider dadurch gar nichts besser, denn was hier eigentlich nahe gelegt wird, ist: "Zehn Gebote, schön und gut, aber was ist mit der Alltagstauglichkeit? Die Kids sollen sich im Dschungel bewähren, was brauchen sie dazu diesen Ethikpapp?" Auf die völlig falsche Weise würde das ja sogar den Ideologiecharakter der Kindermission demaskieren: Man möchte die Kinder Mores lehren, aber gleichzeitig mit allem Nachdruck eine Geslleschaft aufrecht erhalten, in der diese mores nichts bedeuten und nichts bedeuten können. Der übliche Jesusficker-Scheiß halt. Aber soviel Einsicht muss man hinter diesen Zeilen wahrscheinlich nicht suchen.
Aber es entspricht schon dieser nonchalanten Fahrlässigkeit, Aussagen aus der Kontingenz in die Inkontinenz zu entlassen: vielleicht hast Du diese ZDF-Serie gesehen, wo eine Schule der 50er Jahre nachkonstruiert wurde, was durchaus in der Produktion selbst nicht ohne sadistische Lust vonstatten ging.
Heimliche Bewunderung für die Disziplin von damals und albernes "Wir sind da drüber weg" stehen da völlig widerspruchslos nebeneinander. Immer wieder Aussagen wie "Die wissen nicht mal, wo Timbuktu liegt! Dass die sich nicht schämen!": das autoritäre System von damals als glorreich überwunden darstellen wollen, es heute zugleich vermissen.
Und: gleichzeitig demonstrieren, dass man den Akteuren nur die Chance geben muß, um sie frei nach Gusto diese Strukturen von damals reproduzieren zu lassen.