Manche Bücher liest man mit der Angst, dass die Autorin oder der Autor im Verlauf der Erzählung einreißt, was am Anfang so großartig aufgebaut wurde. "The Buried Giant" von Kazuo Ishiguro war für mich eine Enttäuschung gewesen. Kein Vergleich zu "An Artist of the Floating World" und vor allem zu "Never Let Me Go", einem der besten Romane der Nullerjahre. Die Angst beim sehr starken Anfang von "Klara and the Sun" war groß. Ich fürchtete, dass Ishiguro die stille und zugleich schmerzhafte Intensität der Eröffnung nicht durchgehalten hatte. Aber beim Weiterlesen konnte ich nur noch staunen. Was für ein unglaubliches Buch. Es geht hier um viel mehr als um künstlerische Meisterschaft. Vielleicht gibt es ja eines Tages so etwas wie echte humanoide künstliche Intelligenz. Dann wird "Klara and the Sun" längst ein Klassiker zum Thema sein. Das Buch gehört zu den drei besten Romanen, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Die beiden anderen sind "Jerusalem" (Alan Moore) und "The Glass Hotel" (Emily St. John Mandel).