Seltsam. Noch vor wenigen Wochen wurde der Regionalkonflikt Israel/Palästina von der Presse zum wichtigsten Thema weltweit aufgeblasen. Totale Hungersnot in Gaza, Israel allein in Schuld, israelische "Hungermörder" (Jan van Aken, Linke), Bilder von verhungernden Palästinensern ohne Ende, Abwurf von Hilfsmaterialien durch die Bundeswehr direkt in die Hände der Hamas, deutsche Prominente leiden für Palästina – ein wahres mediales Trommel- und Blödsinnsfeuer. Seitdem die Süddeutsche (of all papers) darüber geschrieben hat, dass die Hungerbilder vielleicht nicht zu 100 Prozent garantiert qualitätsjournalistisch hasenrein sind, sind nicht nur die Bilder so gut wie verschwunden. Der ganze Konflikt ist in die zweite, wenn nicht die dritte Reihe verbannt worden. Ist er gelöst? Hat sich die Hamas verabschiedet, gibt es keine Versorgungsprobleme mehr, sind die Toten begraben, die Geiseln befreit, die Trümmer weggeräumt, Friedensverträge auf den Weg gebracht? Wollen die Palästinenser Israel nicht mehr vernichten, muss sich Israel nicht mehr mit militärischer Gewalt wehren? Friede, Freude, Eierkuchen? Es sieht fast so aus, als wäre auf die zynische Lust am antisemitisch aufgeladenen Hype die zynische Gleichgültigkeit gefolgt. Bis zum nächsten Mal halt. Aber das ist natürlich nur ein böser Verdacht.