David Mitchell, Cloud Atlas. Clever, sehr clever. Wissensgesättigt. Auf fast fanatische Weise einem Ideal der sprachlichen Angemessenheit an die dargestellten Epochen verpflichtet. Nervt beinahe schon. Ob er einen Reisebericht aus dem frühen 19. Jhdt. auf seiner Perlenschnur aufreiht, einen Politthriller aus den 1970ern, oder einen Science-Fiction-Roman: Es sind alles Perlen. Er hat es immer geschnallt, bis auf die zehnte Stelle hinterm Komma. Erinnert darin ein wenig an Kehlmann. Eine einzige der Perlen bricht das Licht anders, mit verblüffendem Effekt: "Letters from Zedelghem". Die Geschichte des halbkriminellen, betrügerischen, und dennoch genialen Jungkomponisten Robert Frobisher, der sich das Vertrauen eines gebrechlichen Meisters der Zunft verschafft, wonach sich die beiden mit tödlicher Konsequenz gegenseitig ausbeuten - das ist schon ein kleines Wunder von einem Künstler-Briefroman. Sehr, sehr gut, und nicht nur sehr, sehr clever.