I want your Vollmacht bis zum 29.3.
Sie waren die Supermacht der Antike, nun fürchten die Hellenen den Bankrott.
Georg Kreisler, Zufällig in San Francisco. Ja, ja die vergifteten Tauben. Aber der Mann kann halt auch noch was anderes. Da sind Sachen drin, die kein Tucholsky hätte besser machen können, und es ist schon ein bisschen schade, dass Kreisler selbst und die geneigten Rezensenten immer wieder betonen müssen, dass das schon echte Gedichte seien, doch, doch. Was an Stücken wie "Der Anfang", "Vergangenheit und Gegenwart", "Der Vortrag" bedarf der poetologischen Rechtfertigung resp. Verteidigung? Kreisler schreibt nicht wie Paul Celan, Nelly Sachs oder Ilse Aichinger, auch nicht wie Monika Rinck und schon gar nicht (zum Glück!) wie Durs Grünbein. Das ist auch schon alles, aber manchmal meint man, es sei ihm selbst peinlich, dass sich seine Verse reimen. So hätten statt der überlangen Vor- Zwischen- und Nachworte mehr Gedichte in den Band gepasst, der gut und gern sein erster und letzter sein kann. Man hofft jedenfalls, dass der "Anfang" (s. unten) noch warten kann. Herzlichen Glückwunsch zum Bad Homburger Hölderlinpreis!
Der Anfang
Ich bin jetzt alt und sterbe bald. Die Behörden können mir nichts mehr tun. Denn ich bin reif und wanke steif ins Irgendwo, mich auszuruhn.
Aus eins mach keins! Zwar Goethe meint's ganz anders, doch ich bleib dabei. Aus null mach acht! Aus Tag mach Nacht! Ich bin erlöst und pflichtenfrei.
Mein Leben war mir nie ganz klar. Ich bin der Sprößling einer Sphinx und muss jetzt wen besuchen gehn und schließ die Augen rechts und links.
P.S.: Der Titel dieses Blogeintrags bezieht sich auf "Nähe der Gräber" von Paul Celan.
Renaissance. Böse unterschätzt seinerzeit. Es gibt ja Machwerke, die versuchen, eine nichtige Story durch anspruchsvolle Ästhetik aufzuwerten und dabei scheitern; ich verreiße gerade zwei der jüngsten Beispiele. Bei Renaissance ist eine nicht rasend originelle, aber durchaus taugliche Story mit der ästhetischen Methode, die ich mangels besserer Begriffe als digitalen Scherenschnitt bezeichnen will, zu einem faszinierenden Ganzen verschmolzen. Ich habe noch selten optische Tarnanzüge so perfekt und so unheimlich dargestellt gesehen wie hier. Paris im jahr 2054 ist kein lustiger, aber sehr spannender Ort. Und der Film wagt ein extrem zwiespältiges Ende. Ja, es gibt Plotholes, die Liebesgeschichte funktioniert nicht, und ich bin voreingenommen, weil das Thema Progerie eine Rolle spielt. Aber hey, animierte Science Fiction aus Europa? Und dann so cool? Eine sehr angenehme Überraschung. Kleiner Rezeptionstip: In der Zusammenschau mit Lotte Reinigers Die Abenteuer des Prinzen Achmed bekommt Renaissance noch einmal mehr Profil. Wünsche gute Unterhaltung.
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