Mittwoch, 27. Januar 2010

Man muss das kulturhistorisch sehen. All unsere Vorstellungen von Fleiß & Redlichkeit sind landwirtschaftlich geprägt. Ein Konzertpianist muss sich wie ein Bauer täglich bemühen, er muss immer üben, immer alert sein. Dementsprechend wird er nur von den ganz Dämlichen gefragt, was er denn sonst so "beruflich macht". Anders der Schriftsteller. Als Journalist, Fachjournalist gar, ist er so einigermaßen gelitten, als Lyriker verfällt er der Verachtung vollends. Seine Kunst kommt aus einer früheren Zeit, in der Sprachmagie wichtig war. Kein Wunder, dass bei Nomaden noch heute Schamanen so hoch im Kurs stehen. Der Konzertpianist benutzt ein hochartifizielles Gerät, der Lyriker hat nur seine Stimme, und vielleicht eine Leier, eine Trommel. Er gehört zu den Jägern, Sammlern & Fallenstellern, die allein mit Fleiß nicht weiterkommen. Sie müssen warten und blitzschnell aus dem Wartestand in eine konzentrierte Aktionsfähigkeit booten können, die nichts außer Arbeit kennt, und die eine umso tiefere Erschöpfung hinterlässt, umso ertragreicher sie war. Adorno meint genau das, wenn er schreibt: "Nulla dies sine linea, wohl aber Wochen". Dieser Lebensstil ist dem Ackerbürger verdächtig, auch Neid auf die angebliche "Freiheit" des von Stipendien, Gastdozenturen etc. lebenden Nomaden spielt eine Rolle. Die Verachtung der Moderne gegenüber dem Dichter ist auch die der Hauptstadtbewohner gegenüber dem Barbaren, der zwar ganz ansehnlich tanzen und singen kann, aber für Kunstdünger keine Verwendung hat. Interessanterweise ist von dieser Verachtung auch der Rockmusiker betroffen, ein moderner Schamane, der auch nur grölt und beschwört, statt artig Koloraturen zu trällern. Jetzt nützt es freilich wenig, aus der Not eine Tugend zu machen, und die Sprachmagie für das Eigentliche zu halten. Dabei kommt bestenfalls gepflegte Hinterwäldlerei heraus, schlimmstenfalls faschistischer Dreck. Es bleibt ein tragikomisches Dauermissverständnis im Normalbetrieb - Zuhörer, die nicht einmal wissen, warum sie unverschämt sind, und Lyriker, die nicht wissen, wie laut sie schimpfen dürfen, ohne zahlendes Publikum für ihre Schamanenkunst zu verlieren.







Es war aber auch sehr kalt.





Dienstag, 26. Januar 2010

Salon Marx





Ausstellung

Ich weiß nicht, was das ist. Irgendwas zwischen Schamhaarmalerei, postmoderner Körperdiskussion (inkl. -dekonstruktion), Pop-Klassizismus muss es ja wohl sein. Interessant.





Additiv





Montag, 25. Januar 2010

Dänemark beinah lustisch.





In the 10 years since his fiancée was killed, special op MacGruber has sworn off a life of fighting crime with his bare hands. But when he learns that his country needs him to find a nuclear warhead that's been stolen by his sworn enemy, Dieter Von Cunth (Val Kilmer), MacGruber figures he's the only one tough enough for the job.





Sonntag, 24. Januar 2010

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Freitag, 22. Januar 2010

Man mache doch einmal die Probe, man nenne eine Reihe großer Namen wie etwa Laotse, Dante, Montaigne, Shakespeare, Pascal, Cervantes, Balzac, Dostojewski - und füge dann, weil es so Sitte ist und weil man ein Deutscher ist, den Namen Goethe hinzu, - unwillkürlich wird man stocken und mit einem um Entschuldigung bittenden Lächeln ausrufen: Nein, das geht nicht.

Man könnte sogar weniger allgemein anerkannte Namen aufführen wie etwa Mark Aurel, Boccaccio, Laclos, Gogol, Poe usf., auch mit ihnen Goethe in einem Atemzug zu nennen, schämt man sich; d. h. wenn man ehrlich ist. Man hat das Gefühl, als stelle man neben schlichte Originale eine prätentiös verbürgerlichte Nachahmung. Als habe sich unter Aristokraten ein Parvenü eingeschlichen und spiele den Aristokraten. Ein Parvenü, der an universellem Wissen vielleicht die Aristokraten übertrifft, aber eben dadurch als Nicht-Aristokrat auffällt, weil er diese Überlegenheit nicht souverän verbirgt, sondern sich eben deshalb für einen Aristokraten hält, weil er so viel weiß und kann.

Mit einem Wort: Der tüchtige deutsche Provinzielle in Reinkultur. Alles, was er hat, ist nur abgesehen, um zu gelten und mitgezählt zu werden. Alles weiß er besser, aber aus zweiter Hand. Und unter dem anmaßenden Kostüm schaut immer der kleine Gernegroß hervor. Man wundert sich, daß Goethe kein Sachse war.

Es gibt eine Entschuldigung: Daß man sich nur als Deutscher dieser auf den Podest erhobenen Karikatur unserer selbst schämte (in der Tat, nicht Michel mit der Zipfelmütze, sondern Goethe wäre unsere richtige Karikatur), daß aber Ausländer diesen Provinzialismus gar nicht bemerken oder allenfalls als typisch deutsch hinnehmen. Aber gerade daß ein Symbol gewordener Oberlehrer als unser Idealtypus gesehen wird, ist so entsetzlich.

Hans Erich Nossack, 1962





Rätelettland





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