Mit vierzehn fand ich ein Radio, auf dem Müll. Es funktionierte noch, und weil auch ein Ohrhörer dabei war, konnte ich mir nachts Hörspiele in die Ohren knastern lassen, von denen ich wenig verstand, die mir aber auf eine seltsame Art zuflüsterten, sie verstünden mich. Es waren furchtbare Sachen dabei, wie z.B. Günter Eichs Träume, die man allgemein vor dem Schlafengehen nicht empfiehlt. Meine Schulnoten gingen in den Keller. Ich war in einer neuen Welt.

Neuerdings knüpfe ich an diese frühen Hörerfahrungen an. Es geht so. Ich überspiele fein portionierte mp3-Dateien auf meinen Newton MP 2100. Abends liege ich im Bett, und der Newton spielt mir was vor. Nach zehn Minuten schaltet er sich ab, und dann schlafe ich.

Natürlich ist der Newton kein iPod. Musikstücke lassen sich nicht so sinnvoll portionieren, aber bei Dateien über 900 KB (3,5 Minuten @ 22050 Hz mono 32 kbps) wird die Übertragung schwierig. Der Systemlautsprecher ist auch für Musik kaum geeignet.

Das Platzproblem ließ sich bewältigen. Dank Paul Guyots unglaublichem ATA-Treiber kommt der Newton mit Microdrives zurecht. No shit. Die Schreibgeschwindigkeit ist unterirdisch, aber die Lesegeschwindigkeit reicht völlig für die Hörspiel- und Musikwiedergabe aus. Mit dem Treiber kann man die kleine Festplatte partitionieren. Ich habe getrennte Schubladen für Hörspiele und Musik aufgezogen. Ca. 17 Stunden Musik & Spoken Word passen da jetzt rein. Theoretisch könnte man die Gesamtkapazität mit den derzeitigen Microdrives auf 12 GB ausweiten. Ich will nicht übertreiben. Was die Schreibgeschwindigkeit angeht, will Paul noch feilen. Wer weiß, ob er ein wenig zaubern kann. Er ist ja auch sonst sehr fleißig. Sehr schön auch: Der Microdrive funktioniert auch in meinem eMate, der ansonsten Speicherkarten verlangt, wie man sie kaum noch findet.

Die Musik soll Reisemusik sein. 100 Stücke, die mich freuen. Ja, man kann auf dem Newton schreiben, während er Musik abspielt, so viel Puste hat er.

Adriano Angelillis arbeitet an einer Audiolösung, die den Klangspasz erhöhen soll. Auch, was die ohnehin mögliche Audioaufzeichung angeht.

Es ist alles schön umständlich und in mehrfacher Hinsicht nostalgisch.

Update: Manchmal scheint der Standby-Modus des Microdrives nicht richtig zu funktionieren, weswegen es wohl besser ist, ihn nur in den Newton einzuschieben, wenn er wirklich gebraucht wird.