Alastair Reynolds, Pushing Ice. Oh, oh, was zerfällt dieses Buch in zwei Teile. 2057. Janus, ein Jupitermond, erweist sich als ein Artefakt, als er von seiner Bahn abweicht und auf ein Ziel in 260 Lichtjahren Entfernung zuhält, das offensichtlich ebenfalls künstlichen Ursprungs ist. Die Rockhopper, ein kommerzielles Raumschiff, am Rande des Sonnensystems mit dem Ernten von Kometen beschäftigt, ist das einzige Schiff, das die Verfolgung von Janus aufnehmen kann. Was man über den Zustand der Menschheit anhand der Mikrogesellschaft in der Rockhopper erfährt, die Machtkämpfe zwischen den beiden Leitwölfinnen Svetlana und Bella, die Art, in der Reynolds den Stand der Technik in den Alltag der Besatzung einwebt: viel besser wird Hard-SF nicht. Es ist die reine Freude bis Seite 169.
Dann kommt Janus mit der Rockhopper im Schlepptau bei seinem Ziel an, und die Probleme setzen ein. Wenn Science Fiction das absolut Fremde, das sie andauernd beschwört, auf die Bühne zerrt, wird's leicht lächerlich, und das ist mit den Aliens, die die Besatzung der Rockhopper erwarten, nicht anders. Man braucht bessere Gründe als Reynolds, um noch einmal die Geschichte vom Erstkontakt zu erzählen. Weil er ein sehr guter Erzähler ist, geht die Sache nicht ganz in die Binsen, aber im Vergleich zum ersten Teil enttäuscht der zweite arg. Bezeichnenderweise kommt dort auch der zentrale Stilfehler Reynolds' stärker zum Tragen: der Hang zu unfreiwillig komischen Dialogen, die sich manchmal anhören, als spielten die Akteure im Laientheater. Reynolds kann so präzis sein, aber besonders bei tödlicher Gefahr fangen seine Helden manchmal zu faseln an, dass der Putz von der Wand bröckelt. Alles in allem ein sehr divergentes Gemisch. Hinterließ mich mit einem deutlichen Bedauern.
Fand ich
bei "Der Schwarm" ma ganz gut, sone Alienforscherin, wie die versuchte, den Leuten die Flausen auszutreiben, wie so ein Alien denkt. Letztlich scheitert so ein Versuch der Darstellung wahrscheinlich genauso wie der Versuch des Kontakts selbst.
Das große Verdienst von Lem ist es, das immer gewusst und Ersatzlösungen in seinen Romanen dafür gefunden zu haben. Reynolds hat das auch schön öfter gemacht, aber diesmal ist er voll in den Fettnapf gelatscht, nein, gesprungen.
Ich les kaum noch SF, aber das grundlegende Setting hört sich für mich sehr nach Abklatsch von Arthur Clarkes Rama-Büchern an. Lohnt es sich trotzdem?
"Pushing Ice" ist dann doch sehr viel besser als die Rama-Geschichten von Clarke, jedenfalls habe ich die als ziemlich dröge und uninspiriert in Erinnerung. Bis S. 169 ist der Roman eine Wucht. Aber dann kommen eben noch fast dreihundert Seiten, die nicht direkt eine Qual sind, aber doch sehr abfallen. You decide.
Komischerweise wirkt das Fremde manchmal dann besonders glaubhaft, wenn der Beschreibende in ironische Distanz dazu geht. Beispiel: Miéville.
Miéville benutzt meistens eine Kombination aus anderen Tricks. Er lädt die Setzungen, die er sich herausnimmt, mit Poesie auf ("vodyanoi watercræft"), surrealisiert alles so weit wie möglich (die Gierfalter), synthetisiert Technologiegeschichte neu (die denkfähigen Dampfkonstrukte), oder benutzt, wie du sagst, Ironie (Isaac der Grimnebulin, die Nuevists etc.) Bei den Tesh wiederum, dem absolut Fremden, hält er sich auch zurück, die sehen wir nur via proxy. Alles für sich genommen nicht neu, aber als Amalgam dann kräftig. Manchmal haut auch er daneben, die Kakteenmenschen z.B. haben für mich nie funktioniert.