Einerseits: die sinnlosen Gedenkrituale mit den immergleichen Reden und Appellen. Andererseits: begeisterte Deutsche, die sich von einem Feuerwehrmann durch CO-gefüllte ehemalige Synagogen führen lassen. Dazwischen: so wenig. Was kommt als Nächstes? Geht der Künstler dann mit Zyklon B aufs Ganze?
Man kann ja schon froh sein, wenn die Abgaseinleitung nicht von Volkswagen gesponsert wird.
Ich fürchte sehr, der Künstler glaubt an die aufklärende Kraft seines Werks.
Der Künstler glaubt eher an die Segnungen der Aufmerksamkeitsökonomie.
Peinlich. Mir fällt vor Schreck kein Künstler ein, dessen Werk aufklärend wirkte, oder wirkt... Wahrscheinlich gelingt so was wie "Aufklärung" umso eher, je ungewollter der Effekt ist, je weniger durchdacht. Ach, was weiß ich. Und überhaupt: "Kunst"...
Wednesday, die Ignorantin
Brecht. Mochte ich nie. Wie alle Schullektüre. Aber Goya fällt mir eben ein. Upton Sinclair. Joseph Heller, he he.
Hm, hm, man kann Brecht ja viel vorwerfen, aber dass er posthum den Geiern der Pädagogik zum Opfer gefallen ist - wohl eher deren Problem, und dann das ihrer Schüler.
Brecht fand ich zu betont belehrend. Und Belehrung fand ich damals gräßlich. Später mochte ich B. aus feministischer Sicht nicht. [deleted]
Schonmal die Lyrik durchgeblättert? Da ist der didaktische Impuls weniger stark als in den Stücken.
Danke für den Tip. ;-)
Hm... Ich finde die Bewertung solcher Ereignisse ja zuallererst mal schwierig. Ich halte zumindest für möglich, dass der Künstler überhaupt nicht an irgendeine "aufklärende Kraft seines Werks" "glaubt". Ich gehe auch inhaltlich weitgehend d'accord mit den Vorbehalten, die im Netzeitungartikel zu Wort kommen, und halte die dort genannten Rechtfertigungsversuche für oberflächlich. Zwei in diesem Zusammenhang genannte Einwände scheinen mit aber immerhin bedenkenswert - die Aktion als "Möglichkeit, 'gegen das Verflachen und Überformen der Erinnerung anzugehen'" (was immer der mit "Überformen" wohl meint), und "gegenüber dem 'monströsen' Massenmord an den Juden sei 'Gleichgültigkeit das Schlimmste'". "Das Schlimmste" (das konnte auch nur von einem deutschen Bürgermeister sein) natürlich gerade nicht, aber dennoch schlimm genug, würde ich sagen...
@wednesday: Antonin Artaud und Boris Vian klären natürlich auch auf. Nur ein wenig anders.
@demon: d'accord. Ich denke sogar, diese Sache hätte wirklich Kraft haben können. Die Führungen aber hätten niemals sein dürfen. Das ist ein pornographischer Ansatz.
Woher weisst Du, daß ich Artaud und Vian verehre? ;-) A propos, Deine Antwort an d.d. betreffend: mir ist auch eher die Begehung suspekt als die Installation an sich. Ähnlich wie die Sache mit den Stelen in Berlin. Spektakel.