Ich halte ja die Sache mit Ayaan Hirsi Ali für einen Punkt, über den man später sagen wird: Da hätte man etwas begreifen können. Die Anpassungsleistungen, die sie erbracht hat, um geduldet zu werden; wie sie sich vielleicht lieb Kind gemacht hat, das ist interessant. Viel interessanter finde ich aber, dass es nicht ausreichend war. Die Presse erzeugt viel Qualm um den Vorgang, unter anderem auch Broder, der Ayaan Hirsi Ali natürlich gleich zur schwarzen Jeanne d'Arc stilisieren muss. Unterm Strich bleibt: Eine Frau, die aus erster Hand etwas über die konkreten Auswirkungen des Islamismus sagen konnte, und die das auch mit Nachdruck tat, musste die Niederlande verlassen. Wegen läppischer Vergehen, die seit Jahren bekannt waren, deren Ausschlachtung aber erst jetzt politisch opportun schien. Wäre sie irgendwo sonst in Europa aufgenommen worden? Der Zuschnitt dieser Schweinerei wird in einem scheinbar nebensächlichen Detail deutlich:
Zuletzt hatte es vor wenigen Wochen einen persönlichen Rückschlag für sie gegeben: Damals hatte ein Gericht geurteilt, dass sie ihre Wohnung in den Haag verlassen muss. Ihre Nachbarn hatten geklagt, weil sie sich durch die Polizeiwachen vor der Tür belästigt fühlten. Bis August muss sie die Wohnung räumen.
Wie gern wären die Nachbarn einmal in ihrem Leben wichtig genug für Polizeischutz gewesen. Wie wenig interessierten sie die Todesdrohungen gegen ihre Nachbarin. Jetzt ist sie ganz geräumt worden.
Hat vielleicht damit zu tun, dass Hirsi Ali sich mit den Van Goghs und Broders die falschen Verbündeten an Bord holte.
Andersherum gefragt: Was blieb ihr übrig? Wer will bei der Linken hören, was sie zu sagen hatte? Kann gut sein, dass sie Karriere machen wollte. Aber sie allein daran zu bemessen fände ich unfair.
Andersrum gefragt: Was hatte sie zu sagen, was man nicht schon bei Betty Mahmoody etc. nachlesen konnte? Es gibt halt doch noch eine seriöse Publizistik jenseits der Quietscherei. Dann bekommt man nicht so schnell so massive Publicity, aber man muss sich auch nicht auf die grundfalsche Seite schlagen. Ich glaube nicht, dass Broder und Van Gogh die ultima ratio der politischen Kommunikation sind.
Andersrum gefragt: Was hatte sie zu sagen, was man nicht schon bei Betty Mahmoody etc. nachlesen konnte?
Niemand erinnert sich mehr an Betty Mahmoody. Ihr Buch erschien zu einer Zeit (1988), als die islamistische Offensive , die wir erleben, in ihren Kinderschuhen steckte. Es war viel zu sehr auf die persönliche Beziehung zu ihrem Mann gemünzt, als dass es eine wirksame Kritik am politischen Islam hätte darstellen können. Hier gibt es eine Zwickmühle. Das mit den falschen Verbündeten sehe ich ähnlich, auch dass hier eine Instrumentalisierung stattfindet. Aber der "Quietscherei", wie du es nennst, wünsche ich so viel Publicity, wie sie kriegen kann - bis auf den allfälligen Vergleich der Frauenunterdrückung im Islam mit dem Holocaust, der daneben liegt.
Hirsi Ali, Van Gogh und Broder waren/sind Quietschis. Die wollen keine Auseinandersetzung mit irgendwas. Die wollen Aufmerksamkeit durch Rabatz. Und gerade an den erinnert sich nur allzuschnell auch keiner mehr. Auch zu Mahmoodys Zeiten war der ideologische Krieg Iran/USA mit den entsprechenden religiösen Untertönen schon seit mehreren Jahren in vollem Gange (Besetzung der US-Botschaft in Teheran, Ayatollahs als Hassgegner Nr. 1, das ganze Beigemüse wie Ghaddafi, etc.).
Meint ihr wirklich das Buch von Betty Mahmoody hat jemals eine Zielrichtung gehabt, die in irgend einer Weise emanzipatorisch genannt werden könnte. Ich erinnere mich an die Debatten damals als es erschien und die Kritik die auch von feministischer Seite an diesem Buch kam.
Nur ein Indiz dafür: das Buch ist in den reaktionär- christlichen Kreisen in denen ich mich manchmal umhöre heute noch ein beliebtes und gern gelesenes Buch, gerade unter Frauen mit einem eher traditionellen Familienbild.
Nee. Steht da auch nirgends. Ich meine, Hirsi Ali hat heute exakt dieselbe Funktion/Qualität wie seinerzeit Mahmoody. Nur, dass heute der Konflikt wesentlich härter ist als damals, wie Marcus schon anführte.
Das wäre nicht gut wenn beides die gleiche Funktion hätte. "Nicht ohne meine Tochter" ist ein dümmliches, rassitisches und islamophobes Buch das genau aus diesem Grund gelesen wurde und wird. Hirsi Ali schätze ich da anders ein, zumal sie halt keine - um das Klischee zu bedinen - hinterweltlerische Amerikanerin ist, deren Auseinandersetzung mit der Herkunft ihres Mannes sich auf die Kochen beschränkte, wie eine Kritikerin bemerkte.
Glaubt man dem hier
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passt der Vergleich mit Mahmoody aber schon.
Ich weiss nicht. In solchen Situationen ist natürlich auch viel Bullshit über die Leute unterwegs. Für mich sehen die Vorgänge um Verdonk und Hirsi Ali nach knallhartem Machtkampf aus, wobei bestimmt tausend hidden agendas mit im Spiel sind. Ich kann nur sagen, welchen Eindruck sie auf mich gemacht hat und das war leider der einer rechten Provokateurin, die sich in den Fussstapfen eines Pim Fortuyn bewegt, der ja auch irgendwie schillernd war und noch dazu homosexuell und damit auf den ersten Blick zur eigenen politischen Agenda quer lag.