8.6.

Santanyi. Schöne kleine Stadt (3000 Einwohner). Beschäftigt mit den Vorbereitungen zur Fußball-WM, zur Hauptsaison, zum Rest des Lebens. Scheinbar war heute auch Hausputztag, man sah durch einige geöffnete Fenster in einige gute Stuben, da wurde gewerkelt. Ein alter Wasserspeicher, der mich als Gebäude sehr beeindruckte: flach, relativ groß, fensterlos bis auf drei Öffnungen (Vorder-, Hintereingang und Brunnenschacht auf dem Dach). Eine Treppe führte zu dem niedrigen Dach hinauf, leider konnte man es selbst nicht betreten, aber mein Objektiv sah durch das Gitter hindurch. Auch der Vorder- und der Hintereingang waren vergittert, das Wasserdunkel-Wasserhell drinnen warf das Spiegelbild der gekreuzten Armiereisen zurück. Die ausladenden Dachrinnen waren so konstruiert, dass abfließendes Regenwasser nur den Weg ins Innere nehmen konnte. Gleich bei dem Reservoir ein kleiner Platz mit Sitzbänken. Stellte mir vor, wie früher die Leute da hingingen, um sich ihr Wasser zu holen, und dabei den neuesten Dorftratsch vehandelten. Sicher gab es eine Hackordnung, wer als erster schöpfen durfte und wieviel, und wer sich mit der trüben Suppe am Grund zufrieden geben musste. Eifersüchteleien, Betrügereien, heimliches Abschöpfen bei Wasserknappheit kamen sicher auch vor. Über die Sozial- und Architekturgeschichte des Wasserspeichers wüsste ich gern mehr.

Als ich Santanyi schon wieder verlassen wollte, entdeckte ich den zweiten Wasserplatz: ein überdachter öffentlicher Brunnen mit langgestrecktem Becken, darüber alte, in die Mauer eingelassene Sandsteinverzierungen, vage wellenförmig. Auch das eine Geschichtendisco: Unter dem Brunnendach fand noch eine Telefonzelle Platz.















Islands in the sun.