Wie das Kommandogebell des Faschismus im Abbau der Förmlichkeit der Geschäftsbeziehungen schon leise zu hören ist. (Adornogedanken, die man nicht mehr vergisst)
Fiel mir zuerst im Kulturbetrieb als Strategie auf - das "Du" als Mittel, um Auseinandersetzung und Abrenzung zu verhindern.
Dass es ekelhaft wird, wenn man in Konflikten wieder zum Sie zurück muss, dazu stand hier ja auch schon was.
Und immer die Hinweise, in Land soundso käme man doch mit einer Anredensweise aus. Ich weiß trotzdem nicht, wie ich mit einem Versandhändler umgehe, der auf Hi/Cheers besteht.
Schwacher Trost: Die Förmlichkeit der Geschäftsbeziehungen hat ein gewisses Beharrungsvermögen. Ikea duzt den Kunden seit einiger Zeit, aber in den Durchsagen gibt es noch ein Durcheinander zwischen Schau doch mal im Schnäppchenlager und Unser Küchenchef erwartet Sie. Erinnert an die Zeit, als die hiesigen S-Bahn-Ansager ihr gebelltes Zorückbleim! mit einem Bitte-Schwänzchen zu versehen aufgefordert wurden; seitdem kläffen sie Zorückbleimte!
Bov und ich, wir fragten uns letztes jahr bei blogmich 05, was die da eigentlich ins Mikrofon belfern. Wir haben uns dann auf "Zübbm" geeinigt.
Nein, bedaure, wir waren uns einig. "Zübbm!", sagte der Entscheider.
Ich meine, bei diesem Anlass auch die durchaus schlüssige Argumentation orthodoxer Bahner referiert zu haben, nach der ein "Bitte!" im Anschluss an das "Zurückbleiben!" unnötig bzw. inhaltlich falsch und geradezu kontraproduktiv sei, da es sich bei dem Ruf "Zurückbleiben!" eben nicht um eine beiläufige Bitte, sondern um einen dringenden Warnruf handle, der durch ein nachgeschobenes "Bitte!" bis zur Unkenntlichkeit akustisch verwässert werden könne, man also durch so eine von oben (sprich: von praxisferner und in Sicherheitsbelangen völlig unbedarfter Seite) angeordnete übertriebene resp. deplazierte Höflichkeit den Tod ganzer Fahrgäste bzw. den Verlust einzelner Fahrgastteile billigend in Kauf nehme.
Aber wenn die Bahner so finster sind, können sie das 'Bitte' nicht vielleicht gerade deshalb lancieren?
Ich glaube, was ein echter Berliner Bahner ist, der ist jeglicher Kosmetik abhold.
die einen sagen so, die andern sagen so. der berliner bahner würde wohl dazu neigen, die abwesenheit von kosmetik als "ungeschminkt" zu bezeichnen. "ungeschminkt" wie in: "ehrlich". finster? ja, wenn das wahrhaftige finster ist, dann kann er, der berliner bahner, das auch nicht ändern. er, der berliner bahner, lässt sich nun weiß gott nicht gern nachsagen, er habe eine rosa brille auf.
in eigener sache
neu, toll und in farbe :)