Hoch ist die Verantwortung für alle, die ihre Wohnung in einem Zustand kontrollierter Verschmutzung halten müssen. Nie darf sie zu sauber werden, um nicht Standards zu setzen, die nicht alltagstauglich sind, da sie nie eingehalten werden können. Oft schlägt mir ein Sonntagmorgen vor, dieser Verantwortung gerecht zu werden. "Deine Wohnung ist schmutzig, sieh her. Willst du sie nicht wieder in den Zustand kontrollierter Verschmutzung bringen? Das geht ganz schnell." So sprach der Sonntagmorgen auch heute. Ich sagte ja, wie ich zu einem Sonntagmorgen fast immer ja sage. Wenn ich meine Wohnung von "s" zu "kv" upgegraded habe, wird meist ein Gang zum Altglascontainer fällig. Ich muss dann scheppern, auch wenn es nicht gut ist. Es ist eine Sünde, die umso schwerer fällt, je dringender sie begangen werden muss. Heute sagte ich mir wie immer: Ich werde leise scheppern. Kaum hatte ich ein wenig vor mich hingescheppert, immer in Angst vor meinen Nachbarn, da kam die Polizei. Oha, dachte ich, das ging aber fix. Bußgeld, Ruhestörung, dachte ich. Anreden wie "Meister" und im Tonfall der amtlichen Überlegenheit geäußerte Sätze wie: "Was machen wir denn da sonntags am Altglascontainer?" - ich sah sie voraus. Und dann stieg der junge Beifahrer aus, und was trug er in Händen? Eine Kiste voller Altglas. Sein Haar war blondiert, sein Gesicht sagte: "Grins mich bloß nicht an!", sein Glas schepperte im Container, wie nur je ein Glas gescheppert hat. Ich war so leise wie möglich, die Staatsgewalt schepperte, wie es ihr zukommt. Oh wie wünschte ich mir da eine laufende Kamera. Zornig donnerte der Polizist seine letzten Gläser in den Container. Nahm seine Pappkiste wieder mit. Stieg ein. Fuhr ab. Ich ging pfeifend nach Hause, da begann der Tag.






Anzeigen! Name, Dienstausweis,

das volle Programm!


Allein der Gesichtsausdruck, mit dem der gute Mann da stand: priceless.


Anzeigen könnte in die Hose gehen, klingt nach Glashausaufenthalt.


Am Rande bemerkt: Als die Container in Köln noch von der Firma Trienekens selig (vgl. Kölner Müllskandal) betrieben wurden, las sich das Sonntagsverbot wie folgt: "Einwurf werktags nur von 7:00 Uhr bis 20:00 Uhr". Ich ging also regelmäßig sonntags zum Glascontainer und freute mich insgeheim diebisch auf den Kontakt mit Ordnungsmacht und/oder in ihrer Sonntagsruhe gestörte Nachbarn, um ihnen die Korrektheit meines Tuns, gedeckt durch das offenbar verrutschte Wörtchen "nur", belegen zu können. Allein es gab nie ein solches Zusammentreffen. Der neue Betreiber "Remondis" hat den Fehler inzwischen korrigiert.