Spiegelgrund






"Lesen Sie im zweiten Teil, wie die mörderischen Mediziner über Tod und Leben entscheiden" -na, Spiegel, reißerischer gehts wohl nicht mehr? Ich habe mich dann gegen ein Weiterlesen entschieden und kann deswegen zu dem Artikel nichts sagen. Wohl aber, dass es bei Götz Aly einiges zu dem Thema und auch zu dieser Anstalt gibt.


Ich habe mir die Überleitung gar nicht angetan, deswegen konnte ich weiterlesen.


Ordnen und Vermessen

Diese Überleitungen blende ich aus. Der Artikel ist trotzdem lesenswert. Und dieser hier auch: Wie Ärzte dabei halfen.


"Im gesamten Reichsgebiet und den besetzten Gebieten in Frankreich, Polen und der Sowjetunion werden bis Kriegsende im Rahmen sämtlicher Euthanasie-Maßnahmen etwa 260.000 Menschen ermordet, mindestens 5000 der Opfer sind Kinder." Und dass die Verantwortlichen nach 1945 weiter glänzend Karriere gemacht haben und geachtete, hochdekorierte "Respektpersonen" waren, versteht sich offensichtlich auch in Österreich von selbst.

So weit, so schlecht. Noch mehr Sorgen bereitet etwas anderes: "Minderwertige", "Ballastexistenzen", "unnütze Esser" -- erschreckend, wie nahe der Sprach- und vor allem Gedankengebrauch neoliberaler Vorbeter, Wirtschaftsfunktionäre und "demokratischer Politiker" dem noch immer oder schon wieder kommt. Dieser Missfelder fällt mir da beispielsweise ein, der Menschen über einem bestimmten Alter lebensnotwendige Operationen verweigern wollte. "Sozialverträgliches Frühableben". Leistungskürzung auf 0 für "Arbeitsverweigerer". Abschiebeknäste mit zufälliger(?) Todesfolge.

Gefühlsmäßig würde ich sagen: Die Wiedereinführung der unmenschlichen Barbarei jener Zeit ist heute so nah wie lange nicht mehr. Kälte und bürokratische Gleichgültigkeit machen Angst, können jederzeit in vorsätzliche Schandtaten umschlagen. Den deutschen Spießer wird's auch diesmal nicht kümmern.

Um so bewunderns- und unterstützenswerter der Mut und die Beharrlichkeit von Menschen wie Waltraud Häupl. Es müsste mehr von ihnen geben.