Derweil, in Düsseldorf.
Sergeij Eisenstein:
Die Ankündigung, daß ich einen Film auf der Grundlage von "Das Kapital" von Marx machen werde, ist nicht einfach bloß eine Publicity-Aktion. Ich bin fest überzeugt, daß die Filme der Zukunft in diese Richtung gehen werden (oder sie werden z.B. die Geschichte des Christentums aus einer bürgerlichen Sichtweise verfilmen). Jedenfalls werden diese Filme mit Philosophie zu tun haben. Dieses Feld ist absolut unberührt. Tabula Rasa.
Irgendwo hatte ich mal einige Notizen von ihm zu dem Projekt — interessantes Konzept, das noch seine eigene Zeichentheorie zu setzen schien (anlehnend an die Zusammensetzung von japanischen Schriftzeichen eine Art "dialektisches Zeichen"). Fand ich, bei weiterem Nachdenken, gerade was Begriffe wie "Charaktermaske", "Erscheinungsform" und die zahlreichen Metaphern des "Kapital" angeht, gar nicht so abwegig.
Ist natürlich nicht unbedingt, was in Düsseldorf gemacht wird, scheint's zumindest.
Ich hatte es unter einem rein pädagogischen Aspekt gesehen - vielleicht, dass ich mehr verstünde.
Ich habe die Sachen jetzt nicht parat, vielleicht werfe ich auch verschiedenes zusammen.
In der Art, wie Eisenstein Bilder kombiniert, steuert er auf Erkenntnisgewinn hin: antipodische Bilder in einer Folge ergeben nicht mehrere Bilder hintereinander, sondern ein neues Zeichen, so wie in der japanischen Schrift (kann sein, dass ich bei seinen Notizen jetzt völlig falsch liege) mehrere Zeichen zu einem neuen zusammengesetzt werden: im Film halt nicht grafisch, sondern in einer Sequenz.
Z.B. ergäbe die Sequenz: "Waren auf Fließband -> automatisierte Münzsortierung -> Touristen, die auf Ibiza Schlange stehen" rein visuell eine Struktur, die Arbeit + Freizeit zum kohärenten Bild fügen könnten.
Das ergibt eine dialektische Bildsprache, mit der man sich einem theoretischen Werk wie dem "Kapital" nähern kann, um es filmisch umzusetzen (also: um ganz allgemein essayistisch mit soetwas umgehen zu können). Kann der manchmal doch sehr anschaulichen Sprache Marx' auch ganz gut folgen.
Charaktermasken, Metaphern etc. hatte ich jetzt etwas unmotiviert zum Thema Visualisierung zusammengeklaubt, wobei 'Charaktermasken' (als eigentlich abstrakter Begriff) z.B. im Brechtschen Theater geradezu hinreißend darstellbar sind.
Wie verbildlicht man die Aneignung von Mehrwert, den Geldkreislauf etc. im einzelnen? Nur eine Fabrik zeigen, malochende Arbeiter und dann einen gesättigten Kapitalisten ist schließlich noch keine "Verfilmung" des "Kapital".
[huch! pardon, viel zu lange Antwort]
Wie verbildlicht man die Aneignung von Mehrwert, den Geldkreislauf etc. im einzelnen? Nur eine Fabrik zeigen, malochende Arbeiter und dann einen gesättigten Kapitalisten ist schließlich noch keine "Verfilmung" des "Kapital".
Ja. Wie fände man Bilder zum Kapital als "Geld heckendes Geld", zum "Aufsaugen" der Arbeit durch die maschinelle Produktion usw. usf. Jenseits blöder Agitpropillustrationen halt.
Mein Ansatz war seinerzeit ja das Intelligente Geld, also Geld mit KI-Overhead, das hauptsächlich für sich selbst arbeitet. Leider wollte das keiner kaufen.
max webers "wirtschaft
und gesellschaft" wollt ich mal verfilmen. is aber nix geworden
Steckt alles schon in Ackermanns Victory-Nummer drin.