Ein Seminar mit Studenten und Studentinnen der Erziehungswissenschaft. Es geht um positive Utopien in der phantastischen Jugendliteratur, und mein Buch wird vorgestellt als Beispiel für die negativen. Ein schöneres Gespräch könnte ich mir kaum wünschen. In diesem isolierten, bildungsnahen Milieu fragt man sich schon, wo eigentlich die Leute sind, die das Leben in diesem Land so zurichten. Eine optische Täuschung.
Das ist, glaube ich manchmal, ein bloßer Sprechakt, das emanzipatorische Denken.
Vielleicht, weil die wirklich gesprochen haben?
Man weiß ja eigentlich nie, wieviel dann von dem, was bei solchen Gelegenheiten zum Vorschein kommt, nicht sonst durch die Alltagspraxis nur verschliffen wird. Ein Freund von mir erzählt aus einem Seminar für Drehbuchautoren, in dem Ansätze, über vermarktbare Stories in Plotform hinauszukommen, immer mit "Ist ja ganz schön, aber" weggebürstet werden. Brechungen z.B. stoßen sofort unangenehm auf.
Da war ich dann wohl gestern abend in Teilen der Wegbürster. Musste über den Warencharakter von Büchern aufklären. Wie gering der Spielraum tatsächlich ist, weiß kaum einer.
Würden Sie hier vielleicht kurz ein, zwei Worte darüber verlieren?
Nicht ganz einfach, Äußerungen zu dem Thema erfüllen ja allzu leicht den Tatbestand des Gejammers. Objektiv ist die inhaltliche Verengung am Wegbrechen wichtiger Veröffentlichungsmöglichkeiten abzulesen, an der schwindenden Bereitschaft der Verlage, mit komplexeren Themen / Plots / Figuren Risiken einzugehen, an dem wachsenden Erfolgsdruck, der auf den Lektoren selbst lastet, usw. Im Grunde geht's nicht anders zu als in anderen Wirtschafszweigen: sinkende Reallöhne, höherer Arbeitsdruck, allgemeine Verschärfung der Verschärfung.
Danke. Was ich mich ja frage ist, ob das eventuelle Auftauchen eines wirklich brauchbaren eBook-Readers neue Publikationswege möglich macht.
Ich find's immer noch interessant, dass das technisch ja am leichtesten digitalisierbare Medium Text kommerziell praktisch nur in Form toter Bäume eine Rolle spielt.
Ja. Allerdings - ein Lektorat halte ich mehr und mehr für unverzichtbar. Sofort sind wir bei der Dienstleistung.
Zweifelsohne. Man könnte diese Lektoratstätigkeit dann größenordnungsmäßig mit dem abgelten, was für Schriftsteller momentan so übrigzubleiben pflegt.
Wer weiß, der eine oder andere Autor könnte dann glatt noch vom Schreiben leben...