Das Leben der Anderen. Guter Film, schlechter Film. Schnitt, Kamera, Dramaturgie - stimmt alles, weitgehend. Die ersten Minuten mit dem Wechsel zwischen Verhörraum und Hörsaal der Stasi-Hochschule sind großartig. Spannungstechnisch gibt es keine Hänger, 2 Stunden und 17 Minuten wirken für den Stoff eher noch zu eng. Einige der Darsteller beeindrucken ebenfalls, Ulrich Mühe ist besonders als Überwachungsroboter furchteinflößend gut. Sebastian Koch wie immer schwach; wenn er das freie Leben der freien Künstler erkünsteln soll oder wenn er als Dichter dichtet, ist er genauso wenig überzeugend wie als Andreas Baader oder als Albert Speer. Martina Gedeck so la la. Der größte Mangel der Geschichte aber: Die vollkommen unglaubwürdige Wandlung Wieslers zum guten Menschen. Man kann schon verstehen, wie Leute, die an diesem System gelitten haben, hier Beschönigung vermuten. Die ganze Schwäche des Ansatzes wird deutlich, wenn der Rückzug der Stasi vom Objekt durch den Tod der Verräterin erkauft wird: Als habe diese Organisation so etwas wie einen Schambegriff besessen, als könnten sich das Geheimdienste überhaupt leisten. Sehr gut hingegen, wie Sieland (Gedeck) über ihre Medikamentenabhängigkeit und ihren Ehrgeiz zur Verräterin gemacht wird - da fand ich den Film sehr nüchtern, sehr dran. Zum Ende hin: Peinlichkeiten. Der Film ist so angelegt, dass man dem guten Menschen die Belohnung wünscht; was aber emotional stimmig ist, wirkt fast wie ein Missbrauch von Mühes Schauspielkunst. Im beschämend halbschlauen Kalauer ganz am Schluss offenbart sich dieser Missbrauch: "Nein. Es ist für mich." Die herausgeschnittenen Szenen (auf der DVD unter "Extras") belegen teilweise, dass von Donnersmarck die Gefahr sah. Gleichwohl hätte er, um sie ganz abzuwenden, einen anderen Film machen müssen.
Interessant am Rande: Die ausgefeilten nachrichtendienstlichen Tricks, mit denen der Spiegel-Redakteur im Film aufzuwarten hat - woher hat der die? Fast, als wollte von Donnersmarck nur den Zuschauer diese Frage stellen lassen.
Man kann den Film als politisches Märchen sehen, das auf einem anti-brechtianischen Ticket Hoffnung verbreiten will: Der gute Mensch greift ein und wendet das systemverhängte Schicksal zum Halbguten (denn bleibt da nicht das Opfer der Frau?) "You can make a difference", stell dich darauf ein. Aber Brecht, der im Film benutzt wird und von ihm entkräftet werden soll, wird ungewollt bestätigt, denn am Ende glotzt man romantisch, und das war's.
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