Wenn die Brille der Zahnarzthelferin beschlägt, weil ich sie bei der Zahnsteinentfernung zwangsläufig anatme. Nähe, Schmerz & Embarrassment sind euer Metier, Zahnarzthelferinnen. Später empfiehlt sie mir noch eine "professionelle Zahnreinigung" jenseits der Kassenleistungen. Ich frage, ob die Zahnreinigung, der ich gerade in diesem Moment unterliege, nicht professionell sei? Es ist als Scherz gemeint, wird aber nicht so verstanden. Sie beginnt sich zu rechtfertigen. Beim Polieren geht es in meinem Mund etwas ruppiger zu.
Dann erst kommt die Chefin und erklärt, was in diesem Mund alles falsch ist. Vielleicht so falsch, dass sogar die Kasse zahlen wird, um es wieder in Ordnung zu bringen. Man wird schauen. Man muss sehen. Es prasseln die Termine.
Betrübt nach Hause. So früh am Morgen kann ich kein Sünder sein, ohne mich schlecht zu fühlen.
Auch: der Verdacht, dass sie sich beim Zahnsteinentfernen nicht mehr so viel Mühe geben, damit man ihnen die professionelle Zahnreinigung abkauft.
Mein voriger Zahnarzt hat mir mal mein Zahnfleisch mit einem stumpfen Instrument blutig geschlagen, um mir die Notwendigkeit einer professionellen Zahnreinigung zu veranschaulichen.
Brillante Marketingstrategie! Ich bin ja eigentlich sehr zufrieden mit meiner Zahnärztin. Einer ihrer damaligen Praxis-Kollegen hat zum Beispiel klar erkannt, was mein vorheriger Zahnarzt für ein Pfuscher war, deswegen kam es sogar nochmal zu einem Begutachtungsverfahren, nach dem immerhin 500 Mark an mich zurückflossen. Die Session bei dem Gutachter werd ich auch nicht vergessen: Er behandelte mich wie eine niedere Lebensform, weil ich ihn zwang, einem Kollegen Pfuscherei nachzuweisen. Korpsgeist der ganz feinen Sorte. Wie auch immer, ich vertraue meiner jetzigen Ärztin. Die Sache mit der "professionellen Zahnreinigung" war ein wenig ungeschickt, kommt vor. Jetzt gibt es halt ein paar Termine, damit es nicht bald noch viel mehr Termine geben muss.