Wenn intelligente Menschen austicken. Als wär die 35-Stunden-Woche je irgendwo Realität gewesen. Als wären diese Zustände Ergebnis des Streiks - ich hab sie genauso ohne jeden Streik letzten Herbst erlebt, und bin auch von meinem neuen Vertrag zurückgetreten, und sage den anrufenden Akquise-Flötisten jetzt gleich ade. Wenn Passepartout denkt, dass das woanders anders ist: good luck. Dieselben Prozesse, die ihm den Service weghauen, hauen den Telekom-Mitarbeitern die Löhne weg, die sozialen Sicherheiten, die Respekt-Überbleibsel im Callcenter. Wer glaubt, dass sich der Service bessert, wenn die letzten Reste gewerkschaftlicher Organisation zerschlagen sind, wird sein blaues Wunder erleben. Da hilft dann auch das Toben des inneren Gutsbesitzers nichts.






Nun ja - nicht jeder hat unerschöpfliche innere Gelassenheit. Wie sonst seinem Ärger Ausdruck verleihen als durch die Kündigung? Telekommunikationsunternehmen lesen ja keine Blogs.

(Ich hatte übrigens selbstbestimmt & gerne ein paar Monate kein Telefon. Bin jetzt glücklich und zufrieden bei dem Telekommunikationsunternehmen mit dem Frauennamen, aber daß es so gut klappt, ist sicher nur Glück - oder der Lohn für meinen Verzicht.)


Ich argumentiere nicht gegen die Kündigung, nicht gegen die Wut. Sondern gegen das ideologische Beiwerk.


Marcus! Mann!

Erstmal Dank für Deine Stellungnahme. Ernsthaft. Du hast natürlich Recht, leider! Und ich habe Deinen guten Artikel zum Thema Providerwechsel gelesen, dem nichts hinzuzufügen ist! So soll es mir nicht gehen!

Gestern, Stunden nach Erstellung des "Ausrasters" für mein Weblog, haben mich Nachbarn von der Deckenleuchte 'runtergeholt, später kam der Notarzt und ich habe eine schöne, mehlgraue, etwas sehr einengende Jacke bekommen, die ich noch in der Klinik anbehalten durfte! Heute geht es, Dank der Spritze und Tabletten wieder ganz gut, ich war aber auch noch nicht am Mac und soll nur noch unter Aufsicht versuchen, ins Net zu kommen.

Aber: ein wenig Ironie wirst Du mir gönnen ? Vonwegen Gutsbesitzer und so...Bitte...!

Ich bin übrigens gegen die 35-Stunden-Woche, weil das eine Erhöhung meiner effektiv geleisteten Arbeitszeit um 50 % bedeuten würde...;-) Und: der Sohn meiner Freundin ist gerade aus einem Call-Center der Telekom 'rausgeflogen, deshalb kenne ich so einige Einzelheiten (ja, das ist jetzt die Wahrheit gewesen, leider). Und, wenn Du es nicht weitersagst: meine persönlichen Kontakte zu einigen Gewerkschaftern sind, ohne auf die Kacke hauen zu wollen, mehr als sehr gut, um nicht zu sagen: deutlich besser als zu einigen Vorständen; ich umgebe mich allerdings auch nur mit Gewerkschaftern, die nicht mit den Vorständen gemeinsam dealen und Nutten flachlegen und weiß daher: es gibt sie noch, die guten Dinge. Selten. Was mich nie abhalten wird, extrem emotional getönte und überpointierte Sottisen über Gott und die Welt zu schreiben.

Aber sag mal: wo steht in meiner Story etwas von "...die letzten Reste gewerkschaftlicher Organisation zerschlagen..."? Bring mich nicht noch auf Gedanken! Und "ideologisches Beiwerk" - das ist zuviel der Ehre; so ernst darfst Du mich nie nehmen - im Weblog, meine ich.

Ich finde meine Story schäumend, etwas frech am Gaumen und herb im Abgang, also eigentlich ganz gut. Und ob Du das nun glaubst oder nicht - sie ist nach einem langen, von vielen Lachern auf beiden Seiten unterbrochenen, Telefonat mit einer Call-Center-Lady (die mir übrigens bestätigt hat, dass in der Tat der Streik Ursache für die Störung bzw. deren Nichtbeseitigung ist) entstanden, der ich die ganzen Tips zu verdanken habe, wie ich die Telekom jetzt auch mal etwas zwiebeln kann; wir haben uns beide leise und lieb eine gute Nacht gewünscht.


Wenn ich dich nicht ernst nehmen soll, musst du aber schon ein wenig schlechter schreiben. Denk auch an deine Vorbildfunktion! Was du da sagst, taucht doch später nur als Zitat bei Clubabenden der Jungen Union und im Umfeld von Guido Westerwelle auf. Kannst du das wollen?

Ich würd den Gewerkschaftern ein bisschen Sex ja gern gönnen, vorausgesetzt, mit der Prostitution wären nicht so unschöne Dinge wie Menschenhandel, verschwitzte Schmerbäuche und geschmacklose Tapeten verbunden. Was mir an den Funktionären wirklich gegen den Strich geht: der blöde Scheiß, den sie manchmal erzählen (nach Drucklegung hatte ich keinerlei Einfluss mehr auf Rechtschreibung und Zeichensetzung).


warum nicht?

danke für die Blumen! Wären wir jetzt bei einer Sitzung mit ver.di, würden wir Sprüche loslassen, wie "sind so weit ja nicht auseinander" oder Sätze, die mit "ein Stück weit" beginnen... Was ich (ernst gemeint jetzt) allen Gewerkschaften übel nehme, ist: gerade in der heutigen Zeit ist diese Anbiederung an die Belegschaften mit Besitzstandwahrungen und Lohnerhöhung falsch, wenn es denn Ernst wäre mit der Verbesserung von Lebensbedingungen, echter Gerechtigkeit und Würde. Die werden doch zu dem, was sie bekämpfen! Will ich hier jetzt nicht lang ausführen, was ich denke, das mache ich aber noch bei Gelegenheit.

Ganz kokett: außer Oskar Lafontaine und Neonazis darf mich jeder aufgrund irgendwelcher Äußerungen für sich vereinnahmen ... der Versuch ist ja bekanntlich nicht strafbar, bisher aber immer erfolglos gewesen.


Was ich (ernst gemeint jetzt) allen Gewerkschaften übel nehme, ist: gerade in der heutigen Zeit ist diese Anbiederung an die Belegschaften mit Besitzstandwahrungen und Lohnerhöhung falsch, wenn es denn Ernst wäre mit der Verbesserung von Lebensbedingungen, echter Gerechtigkeit und Würde.

Da lässt mich an einen Satz Rilkes denken: "Armut ist ein großer Glanz von innen."


Rilke

diesen Satz kannte ich noch nicht und muß erst nachdenken; gefällt mir, obwohl das sehr sicher sehr falsch verstanden werden kann. Habe gerade das dazu gefunden


Das liest sich, als nähme docbuelle den Gewerkschaften übel, daß sie nicht die Interessen einer höchst heterogenen Kundschaft höchst unterschiedlicher Konzerne vertreten, sondern nur diejenigen derjenigen, für die sie angeblich da sind: den wennmansowill Belegschaften und das auch nur zur Wahrnehmung der Interessen derhöchstselben.

Daß sich Marburger- wie Hartmannbund an Ärzte und deren Besitzstandswahrungsansprüche anbiedere, kommt mir da wie ein entsprechender und entsprechend hirnrissiger Vorwurf vor.

Geißel Besitzstandsdenken. Das ganze Geld, was die immer wollen, das solltense mal besser mir geben. Wär deren Schaden nicht, schätze, es gäb auch Arbeitsplätze.


@grienhans

Daß sich Marburger- wie Hartmannbund an Ärzte und deren Besitzstandswahrungsanspürche anbiedere, kommt mir da wie ein entsprechender und entsprechend hirnrissiger Vorwurf vor etc.

Akzeptiert. So kann man das lesen. Muß man aber nicht.

Ich vermute hinter meinem Frust eher (von mir aus: auch) die Enttäuschung darüber, dass die Interessenvertreter der Arbeitnehmer sich darauf (auf Besitzstandswahrung und Lohnerhöhung) beschränkt haben. Seit Jahrzehnten.

(Ich kann übrigens mit Mitgliedschaften bei meinen ständischen Interessenvertretern nicht aufwarten, was mich in Ihren Augen nun womöglich als anspruchsvollen, meckernden und nicht beitragzahlenden Nutzniesser der für Ärzte erstrittenen "Verbesserungen" entlarvt.)


wie heisst es so schoen: heul doch.


ich sag da nur

www.krisendichte.de!

Da kommt noch mehr dazu, entsteht gerade, aber der Stoff reicht für ganze Serien!