Und dann fuhr ich nach Dresden, zum Penta-Con 2007. Eine Nachtreise im EN 353 von Frankfurt (Flugh.) nach Praha, die sich nicht so leicht vergisst. Vier andere Männer mit mir im Abteil, auch ein völlig schwarz gekleideter Kahlkopf, dessen anhaltende Nervosität mich ansteckte. Vermurkste Schlafversuche, wegnicken, aufwachen, Schaffner, wegnicken, seufzen, dem Kahlkopf beim hektischen Bearbeiten seines Handys zusehen, Sitzposition verändern, wegnicken, Schaffner, usw. Diese eine Stunde Aufenthalt in Leipzig zum Wechsel der Fahrtrichtung; neonentzündete Augen beim Rausschauen und drinnen die Verzweiflung der Schlaflosigkeit.

Aber der Dresdner Hauptbahnhof: um sechs Uhr in der Früh ein überraschend angenehmes Erlebnis. Hell und unbedrohlich, mancher Dienstleister hatte bereits geöffnet. Ging fröhlich narkotisiert von meinem Schlafmangel trotz des Regens in die Stadt, scoutete den Weg zu Hotel und Tagungsort aus, Prager Straße bis zum Altmarkt. Leere Geschäfte, Baustellen, die Stadt wachte auf zu einem grauen Tag. No problems with Dresden. Dann wieder Internet Café im Bahnhof, überteuerter Tee, Schließfach- und Toilettenbenutzung. Schlüssel, Durchlässe, Zauberworte, Geld (natürlich immer Geld).

Zum Palitzschhof, benannt nach Herrn Palitzsch. Ein kleines Treffen, vielleicht einhundert Anwesende. Erster Preisempfang, zweiter Preisempfang; ich bedankte mich ungelenk; tat die ganze Zeit einfach, als sei ich ein Anwesender. Konnte nur an den Programmpunkten teilnehmen, bei denen ich explizit etwas zu bestellen hatte; auch den Kollegen Steinmüller und Franke bei Lesung und Vortrag zuzuhören war schlechterdings nicht möglich.

Kurzer Gang um den Pudding, Entspannungsfotografie. Kaum hundert Meter weit gekommen, konfrontierte mich ein Anwohner.

"Schönen guten Tag. Fotografieren Sie hier im Auftrag?"

"Nee, nur Hobby."

"Aha, Hobby. Ich dachte, Sie fotografieren hier im Auftrag."

"Nee."

Es hatte eigentlich nur gefehlt, dass er mich als "junger Mann" titulierte. Ich wollte gar nicht darüber nachdenken, was für einen Auftrag er wohl gemeint haben könnte. Ich machte mich davon.

Lesung mit Ulrike Nolte. Eine feine Sache, denn wir stützten uns wechselseitig in unserer Nervosität, und ein angenehmer Mensch in der Fremde ist immer ein Segen, auch bei großer Müdigkeit.

Hotel. Zu müde, um gut zu schlafen. Standardfrühstück, Standardtaxi, Standardabfahrt von Dresden, und im Verlauf der anschließenden Reise gab es nur eine einzige Verspätung.

























Das Heimat-Häuschen sieht aus wie ein fader Witz aus einer dieser entschleunigten Ostkomödien. Dass es nicht aus so einer Komödie stammt, ach, ach.


Ich bin mir immer noch nicht sicher, was das war. Im unmittelbaren Umfeld fand auch die Konfrontation statt.