Den aktuellen Piff-Paff-Film gesehen. Was im zweitenTeil noch ansatzweise funktionierte, wird hier bis zur Lächerlichkeit überspannt; im ständigen Weitertreiben des Echtzeit-Mythos wirkt der Film wie eine Parodie auf sich selbst. Da die totale Überwachung so lückenlos ist (die CIA kennt jederzeit die Grundrisse aller Häuser in Tanger!), muss auch Bourne noch besser sein als in den Teilen vorher, und dadurch wird auch er vollends zu einer Karikatur seiner selbst und dieses paramilitärischen "Gut"-Seins, das die Elitespinner weltweit so fasziniert. Es ist gar nicht einmal das Highspeed-Killen, das Jürgen Kiontke in der Jungle World so moniert hat, sondern diese unfreiwillige Komik, die den Film abschießt. Die aufgepappte Selbstfindungsstory, die ihm wahrscheinlich Tiefe und eine moralische Dimension jenseits des Elitediskurses verschaffen soll (oder wenigstens ein gegenläufiges Element) wird in den Strudel der Selbstparodierung voll mit hineingerissen. Der Versuch, über diesen Strang auch noch eine Ehrenrettung der CIA hinzubiegen - oh mamma mia: "Pamela Landy" war ja schon im vorhergegangenen Teil ein Lacher; in der Kurzsequenz, in der Greengrass "Das Leben der Anderen" auf amerikanische Verhältnisse überträgt, geht's dann völlig schief. Was gibt's noch? Meet your own Nazi-Konditionierungsarzt! Spring über die Dächer von Tanger! Sprich alle Sprachen und hetz die spanische Normalpolizei auf deine Feinde! Erklär vertrottelten Reportern vom Guardian, was jetzt Sache ist! Stürze vom 10. Stock eines Hochhauses in einen Fluss und überlebe dennoch (für den nächsten Teil, but that was a given anyway)!






Ham

Sie ma so eine Vorlage von R. Ludlum gelesen? Ich überleg, da ma reinzugucken, ob das da funktioniert. Vielleicht leidet das auch, weil es aus der Zeit (Kalter Krieg) gerissen wurde?


Machense doch mal. Kann mir das gar nicht vorstellen, wie das wirklich einem KK-Szenario entsprungen sein soll. Halt "loosely based".


Agentenfilme können gar nicht mehr funktionieren.


Weil?


Weil ein Agent jemand ist, der im Auftrag von jemand handelt. Dies wiederum impliziert Verantwortlichkeit für etwas - ein Konzept, das speziell aus den europäischen staatlichen Konstrukten beinahe verschwunden ist. Dabei wird gerade die Dislozierung der Verantwortung im klassischen Agentenfilm stets thematisiert: "Im Zweifelsfall kennen wir Sie nicht." Nachdem dieser Topos aber im Mainstream der Alltagspolitik angelangt ist, fehlt ein grundlegendes Element der Spannung, das den Agentenfilm ausgemacht hat.


Interessante Perspektive. Gerade dieser Verantwortungsaspekt sollte über die Unterscheidung zwischen den schwarzen Schafen und den verantwortungsvollen Mitarbeitern bei der Agency dargestellt werden, wobei wie gesagt zur Ehrenrettung von et Janze Landy den Wiesler macht. Aber das ist so künstlich reinkonstruiert, dass es nur noch albern wirkt.