Großartig. Was ihm immer besser gelingt: die Situation, oder die Mikrokonstellation der laufenden Moderne darzustellen. Hubertus Bigend ist der beste Jabba-the-Hut, den diese Art Literatur anzubieten hat. Hollis Henry, die beinahe mal ein Star gewesen wäre mit ihrer Indie-Band, und jetzt ihr Glück als Journalistin versucht. Und natürlich Milgrim, die heimliche Hauptfigur des Romans: Ein drogenabhängiger Übersetzer, der im eigenen Land von Brown "disappeared" wird; und man weiß nicht, ob Brown ein Polizist ist, ein Agent des Department of Homeland Security, der NSA, der DEA, oder ein Gangster, der off the record für privat Interessierte in der US-Regierung arbeitet. Ja, man weiß nicht einmal, ob diese Unterschiede noch groß von Bedeutung wären. Die Art wie Brown Milgrim als Übersetzer und Handlanger benutzt: ziemlich gruselig. Klar, die Namen sind etwas überdeutlich. Der Krypto-Fascho Brown hätte nicht so heißen müssen, und bei Milgrim denkt man gleich an Milgram. Die größeren Fehler sind auch immer noch da. Wann immer Gibson den ehem. Ostblock aufscheinen lässt, verfällt er leicht in "Spion-der-aus-der-Kälte-kam"-Schwachsinn. Dann hört er sich eher an wie Alistair MacLean. Diesmal sind es Kriminelle mit einem Hintergrund im kubanischen Geheimdienstsystem; russische Einflüsse zeigen sich in der Anwendung eines besonderen Kampfsports ("Systema") und besonders effektiver Spionagetricks ("Protocol"). Abgesehen von diesem abgestandenden Kaltkriegsunfug: großartig.
ich glaube, diese art der ostblockdarstellung ist notwendig, damit us-amerikanische leser den ostblock als solchen erkennen. ich hatte uebrigens jahrelang so ein komisches bild von den sog. blockfreien staaten im kopf, wie mir beim ansehen dieser komischen sendung mit der ferres aufgefallen ist. die finnland-szene leuchtete mir voll ein, das kannte ich aus spionromanen. immer schon mit einem fuss im feindesland und kalt muss es sein. ("top secret" ist auch top-ostblock, btw)