Vorsicht, Seifenschaum






Interessanter und sehr vertretbarer Standpunkt. Meine Probleme habe ich mit dem Linkstest. Ich halte mich doch für relativ Links angesiedelt, unterstütze diesen Streik aber nicht zu 100%. Was mir vor allem immer noch fehlt und bisher hat sich nirgendwo jemand exakt darüber ausgelassen. Welche Zahlen liegen dieser 31%-Geschichte zu Grunde, wen betrifft es und was verdient dieser jemand aktuell für welche exakte Leistung? (haben sie diese information?) Mein Punkte dagegen sind/waren folgende:

  • 4,5% sind kein wirklich schlechter Abschluss.
  • Die Bestrebungen Lokführern in Bezug auf Verantwortung und Fähigkeiten mit Piloten gleich zu setzen waren lächerlich.
  • Den Nahverkehr zu bestreiken, der zum allergrößten Teil von Menschen genutzt wird, die ihre Zahlungen bereits geleistet haben, hat niemandem außer den Pendlern geschadet. Diese Aktion musste zwangsläufig den Frust der Betroffenen auf sich ziehen. Der Teil des Streikes war also wirkunglos in Sachen Druck ausüben auf den Arbeitgeber, aber dafür umso effektiver, sich selber unbeliebt zu machen.
  • wo ist das Alleinstellungsmerkmal der Lokführer im Vergleich zur restlichen Belegschaft?

DaveKay, was doch selten erwähnt wird, ist, dass die GDL nicht nur die Lokführer umfasst, sondern größere Teile des Zugpersonals, Schaffner, Service, etc. Mit Sicherheit auch viele weniger Qualifizierte.

Vor dem Hintergrund frage ich mich, wohin der Vorschlag zielt, die Lokführer in eine separate Servicegesellschaft auszulagern. (Was passiert mit den anderen Mitarbeitern? Was bedeutet das hinsichtlich einer Privatisierung?)

Abgesehen davon, dass ich Löhne zwischen 1450 und 1500 EUR netto, wenn die Werte stimmen, tatsächlich für sehr wenig halte bei dieser Arbeit (ich habe Jahre der Nachtarbeit hinter mir und kenne den Frust bei geringer Bezahlung und anstrengenden Schichten).

Nicht dass ich mich in der Auseinandersetzung auskenne.


@DaveKay: Was ist "gerechter Lohn"?


zur letzten frage:

wenn der lokfuehrer nicht faehrt, dann fahren auch die zugbegleiter etc nicht. die typen in den stellwerken haben auch nix zu tun. im wahrsten sinne, alle raeder stehen still. der abschluss ist ein witz, wenn man die gesamtentwicklung betrachtet.

ach so: spd-waehlen ist nicht links.


@MH: Es geht nicht darum, den Lokführern eine Lohnerhöhung zu verwehren. Ich stelle die Art und Weise in Frage. Warum bestreike ich den Teil der Kunden, der die Leistung bereits bezahlt hat? Das ist an Kontrproduktivität kaum zu überbieten und es ist unsozial. Wenn ich die Bahn unter Druck setzen will müssen der Güterverkehr und Mehdorns Hosenbefeuchter, der ICE stehen. Zudem bringt man mit dem "richtigen Streik" nur die Menschen gegen sich auf, die einen ohnehin von oben herab betrachten.

Gerechter Lohn, eine sehr interessante Frage. Haben sie dazu eine Definition in Schriftform, die sie vertreten würden? In meiner Wunschwelt jedenfalls erleiden Aktionäre den Hungertod, es sei denn, sie sind in der Lage Geld mit ihrer Arbeitskraft zu verdienen.

Was den Versuch, eine Antwort in bezug auf die Lokführer zu liefern betrifft, so denke ich, dass ich den Zahlen aus dem Interview nicht glaube. Die Zahlen können nur die halbe Wahrheit sein, denn Herr Schell nennt hier ausschließlich Entgeldgruppe E8. Entgeldgruppen haben aber normalerweise die Eigenschaft, dass man Leistungs- oder Wissenstandsabhägig eingeordnet wird. Interessant dabei wäre es zu wissen, wieviele Lokführer in dieser Entgeldgruppe angesiedelt sind und wieviele anders und vor allem wo. Denn ein ICE-Lokführer wird sicherlich nicht die gleiche Einordnung haben, wie ein Rangierlokführer. Das war früher nicht so und ich denke, das wird auch heute nicht so sein. (sollte das doch so sein und ich mich völlig irren, Asche über mein Haupt, dann bin ich in allen Punkten falsch (außer dem mit dem strategisch falschen Streik im nahverkehr))

Frau Mutant: Welch wundersame Argumentation ist denn das bitte? Ich setze mich in 1 Stellwerk und halb NRW steht still, weil nur ich das will. Gebt mir gefälligst das doppelte Gehalt!?

Die Sache mit der SPD:

  1. sehe ich mich bereits seit mehreren jahren eher am linken Rand der SPD und
  2. haben sie Recht und ich schäme mich, dass ich fast 37 Jahre alt werden musste, um dieser SPD den Rücken zu kehren, gleichwohl ich schon 2 Legislaturperioden darüber bescheid weiß, dass die SPD rechts von mir steht.

Ach ja, btw. es ist kein Geheimnis dass Mehdorn einer der Menschen ist, die ich am wenigsten leiden kann und wenn dieser Streik tatsächlich der Sand im Getriebe der Privatisierung ist, auch dann schäme ich mich ein wenig, gegen ihn zu argumentieren, aber ich habe halt schon immer etwas dagegen gehabt, die falschen Menschen zu bestrafen.


Ach ja: 1 | 2


In meiner Wunschwelt stirbt niemand den Hungertod. Und was die SPD angeht: soll sie endlich verrecken, es käme mindestens 93 Jahre zu spät.


hallo Frau/Herr Neo42

es war nicht gemeint, dass wirklich ein Individuum sterben sollte, sondern dass diese spezielle Ausprägung der Eigenschaft sich auf dem Buckel anderer zu sonnen sterben sollte. (vermutlich mal wieder eine zu harsche Wortwahl meinerseits, wenngleich entschieden harmloser als das Wort "verrecken")


herr davekay, ihre vorstellung eines gelungenen streiks ueberschneidet sich offenbar mit denen der staatstragenden gewerkschaftsbonzen.

gewerkschaften, eh. ich halte das da ja mit meinen lieblingspunkrockern von knochenfabrik:

Frühstückspause

Frühstückskantine bei Ford um halb acht, ab morgen wird wieder gestreikt. Bei Kaffee und Brötchen sitzt Manni und sacht, was der Beirat den Leuten verschweigt:

Mit Betriebsfunktionären könnnen wir nichts bewegen, die stehen uns doch nur im Weg! Denn Geld und Gewerkschaft sind gute Kollegen und sinnlose Streiks der Beleg.

Schichtwechsel mittags bei Ford um halb drei, alleine geht Manni nach Haus. Da fährt ein Mercedes 600 vorbei und finstere Jungs steigen aus.

Mit Betriebsfunktionären könnnen wir nichts bewegen, die stehen uns doch nur im Weg! Denn Geld und Gewerkschaft sind gute Kollegen Manni sein Tod der Beleg.


Es war ja nicht alles schlecht zur Adenauerzeit.


@DaveKay

Das Verrecken bezog sich allerdings auf die Partei und nicht auf ihr Personal. Letzteres sollte sich eher ein Beispiel an Herrn Müntefering nehmen; ein geruhsames Privatleben bei üppigen Pensionsbezügen hat doch auch was (wenn man nicht gar von den guten Freunden aus der "freien Wirtschaft", für die man gerade in den letzten 9 Jahren noch mehr getan hat als CDU/CSU und FDP zusammen, ein feines Jobangebot erhält).


@davekay:

Sollen die wenigen abhängig Beschäftigten, die, weil sie an Schlüsselstellen der Infrastruktur sitzen und ihr Streik eine Wirkung entfaltet, die eigentlich allen abhängig Beschäftigten im Streikfall zu wünschen wäre, sich etwa zurückhalten, nur weil die anderen das Pech haben, über solche Druckmittel nicht zu verfügen?

Oder anders: Wäre es wirklich das Problem der aus gutem Grund streikenden Beschäftigten, wenn solche infrastrukturellen Schlüsselstellen durch Streik lahmgelegt würden, nachdem die Politik beschlossen hat, diese Schlüsselstellen für so unwichtig zu halten, dass sie nicht mehr den staatlich-hoheitlichen Betrieb mit Hilfe von Staatsbeamten rechtfertigen?

Und nochmal zum Nahverkehrsstreik. Wenn in Frankreich z.B. der öffentliche Dienst ganz oder in Teilen streikt, so dass ein Großteil des ÖPNV stillsteht, ist die gesamte Bevölkerung mit auf der Straße. Eine Diskussion, ob da jemand "Leistung" in Form von zwei Euro fuffzich von Schweinzbüttel nach Krümelsheim "bereits bezahlt" hat, wäre vollkommen undenkbar. Das gibt es offensichtlich nur in Deutschland.