Weil nicht sein kann, was nicht sein darf
Der Typ hat über seine Anwälte auch schon in der Türkei über deren Variante der "Great Firewall" ein kritisches Weblog sperren lassen. Besser gesagt: Nachdem sich Wordpress geweigert hat, den Kritiker abzudrehen, haben die Heinis es geschafft, ganz Wordpress blockieren zu lassen. Weiß nicht, ob das noch gilt.
Konnte auf die Schnelle jetzt auch nichts Erhellendes dazu finden. Aber die Resignation türkischer Wissenschaftler angesichts des Phänomens ist schon bedrückend.
Ja, das Verbot von Wordpress scheint anzudauern, allerdings auch umgehbar zu sein (ein Bekannter von mir wird auch weiterhin/wieder in der Türkei gelesen). Mehr als die Arroganz der Anwälte von Adnan Hoca nervt allerdings die Totschlagmentalität der Richter: Wo es eh schon Praxis ist, ganze Zeitungen zu verbieten, weil einzelne inkriminierte Artikel erscheinen, kann man doch einen Server blockieren, wenn eine Einzelperson das wünscht! Ähnlich ist es mit Kreationismus und Evolutionstheorie im Bildungswesen: Gelehrt wurde seit der Junta von 1980 nur das, was in den Kanon der Staatstreuen passt; und das eben dümmer und apodiktischer, als selbst der Kreationismus sich geriert. Da wirkt so ein prima Bilderatlas noch fast aufklärerisch, weil er mit "unbequemen Fragen" daherkommt (siehe www.heise.de). Da ist ein phantastischer Nährboden für jede Art von Unsinn kultiviert worden, und jetzt nutzen ihn eben die Islamisten. C'est la vie, Mustafa K.!
Na ja, da scheinen sich ja "laizistische" Staatstreue und islamistische "Rebellion" nicht viel zu geben. Wie der schon oben verlinkte Reuters-Artikel anführt:
Darwinism did become an issue during the left-versus-right political turmoil before a 1980 military coup because Communist bookshops touted Darwin's works as a complement to Karl Marx.
"It looked like Marx and Darwin were together, two long-bearded guys spreading ideas that make people lose their faith," said Istanbul journalist Mustafa Akyol.
After the coup, the conservative government thought a dose of religion could bolster the fight against the extreme left.
Echte Naturwissenschaftler verstehen sich, von Ausnahmen wie [extern] Carl Sagan und [extern] Richard Dawkins abgesehen, als Kritiker ihrer selbst und ihrer Kollegen, nicht aber als Kritiker des gesellschaftlichen Umfelds, in dem ihre Wissenschaft stattfindet.
Was ist mit zB. Kutschera? Sie erwähnen selbst, dass solche Mätzcehn nicht nur in Amerika stattfinden, Kutschera vs Scherer hätten durchaus eine Erwähnung verdient, wie ich finde.
interessieren würde mich auch, was sie umgekehrt von Dawkins halte, weil zB. herr microrobert diesen mal als Idioten bezeichnete. Zugegeben, es ist nicht subtil, manchmal gar plump oder propagandistisch wie Dawkins das Thema angeht, aber wie sollte man das thema angehen? Und wenn sie so dicht am Thema sind, wie der Artikel mich glauben macht, haben sie ggf. lesetipps?
... Kutschera vs Scherer hätten durchaus eine Erwähnung verdient, wie ich finde.
Nichts für ungut, aber ich muss zugeben, dass mich solche Vorschläge leicht ungeduldig machen. Ich glaube, Artikel wie dieser würden sich ruckzuck in ein Buchprojekt verwandeln, wenn ich die einschlägigen Debatten auch nur anreißen wollte. Schon die Sichtung des "Atlas der Schöpfung" war eine solche geistige Qual, dass er für mich schnell zu einem Atlas der Erschöpfung wurde. Erinnerte mich spontan an die Recherche-Periode zu Instant Nirwana (the book). Was die Lesetipps angeht, so habe ich verschiedene in dem Artikel verlinkte Beiträge sehr gut gefunden, und wer's richtig polemisch mag, der wird am Darwin Report Spaß haben. Gibt ja nicht nur Idioten im Netz. Ich bin kein ausgesprochener Fan von Dawkins. Diese "Brights"-Geschichte finde ich zum Beispiel falsch, so was schafft nur unnötig Angriffsflächen. Aber so was hier - warum nicht?