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WELT ONLINE: Frau Nahles, ist „Kapitalist“ für Sie ein Schimpfwort?

Andrea Nahles: Ja klar. Kapitalist, das ist ein negativer Begriff. Ein Kapitalist ist jemand, der die gesellschaftlichen Interessen hinter seine eigenen Profitinteressen stellt. Im Gegensatz dazu sind Unternehmer positive Akteure in unserer Gesellschaft. Sie beuten nicht aus, sondern ermöglichen Wertschöpfung und Arbeitskräfte.






besser

hätte einem keiner erklären können, wie Sozialdemokraten drauf sind.


Ja. Sie macht absolut klar, warum "Sozialdemokrat" ein Schimpfwort ist. Wie war noch der alte Spruch? "Die Sozialdemokratie ist die Vorhaut der Arbeiterklasse -- wenn es ernst wird, zieht sie sich zurück".

Noch schöner hat es Tucholsky auf den Punkt gebracht:

'Es ist ein Unglück, daß die SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands heißt. Hieße sie seit dem August 1914 Reformistische Partei oder Partei des kleineren Übels oder "Hier können Familien Kaffee kochen" oder so etwas, vielen Arbeitern hätte der neue Name die Augen geöffnet, und sie wären dahin gegangen, wohin sie gehören: zu einer Arbeiterpartei. So aber macht der Laden seine schlechten Geschäfte unter einem ehemals guten Namen.'


Man fagt sich auch, wo sich die ruchlosen Kapitalisten dann eigentlich aufhalten, wenn "die Unternehmer" nicht gemeint sein können. Man hätte doch gerne eine Adresse für die Beschimpfungen.


Wenn ich sehe, wie sich die Politiker der Mainstream-Parteien nun mit Beschimpfungen gegen den ausländischen Konzern Nokia überschlagen, obwohl sie ähnliche Vorgänge bei, sagen wir mal, Siemens, Daimler oder der Telekom bisher immer geradezu gelobt haben, dann wird mir erst recht ganz anders. Das geht durchaus wieder in Richtung "raffendes" ausländisches und "schaffendes" deutsches Kapital.


Ohne Frage. Und das ist ja auch der Vektor von Frau Nahles' zunächst nur sinnbefreitem, dann aber wirklich bösartigem Gerede.


laeuft dann wieder auf "Kapitalismus als jüdisch-amerikanische Verschwörung" hinaus.


Wobei ein ichnennsmal erster Level einer Kritik an Nahles' Gefasel, der dabei stehenbliebe, dass die Trennung zwischen guten und bösen Kapitalisten so nicht gehe und der klarstellte, dass Kapitalist nun mal gleich Unternehmer ist und der dann schlösse, dass die Unternehmer somit auch allesamt Teil "des Bösen" seien, gegen das sich Kapitalismuskritik zu richten habe, die Systemkritik auch nur verkürzt und verfälscht personalisierte, anstatt die Mechanismen und Verhältnisse anzugreifen, die schließlich auch das Verhalten der Unternehmer diktieren.


Deswegen die Anführungszeichen. Ist doch klar, dass es hier darum geht, ein Spiegelkabinett zu kritisieren.