Ratatouille. Ein schöner Dreck, der einem da angedient wird. Das Frankreichbild nervt von der ersten Minute an. Sowohl im englischsprachigen Original als auch in der deutschsprachigen Synchronisation hat die Mehrzahl der Figuren einen "französischen" Akzent - "die niedlichen Ausländer in ihrem Ausland da". Bei weitem nicht der einzige Beleg für Vollblondheit hier. An entscheidenden Stellen wird der "raffende" Dieb dem "schaffenden" Koch gegenübergestellt, eine saudumme Terminologie, die auch noch damit korrespondiert, dass dem schaffenden Team Linguini / Rémy / Colette ein kleinwüchsiger, hakennasiger, dunkelhäutiger Antagonist gegenübersteht, der sich die Stätte des Schaffens unrechtmäßig unter den Nagel reißen und in eine Fastfood-Schleuder verwandeln will. Deutsche Doofheit und amerikanische Zivilisationskritik in trauter Harmonie. Dann die Gewalt, mit der über die Figur Rémy die Vereinbarkeit der pädagogischen Lernziele "Geh, wohin dein Herz dich trägt" und "Die Familie ist heilig" transportiert werden soll. Und die aufgesetzte moralische Nummernrevue ("Üb immer Treu und Redlichkeit", "Hochmut kommt vor dem Fall"), die Linguini im Schnelldurchgang abzuarbeiten hat. Der verlogene Besserungsfilm endet damit, dass ein krankhaft arroganter Restaurantkritiker durch eine unerwartete Erinnerung an seine gelungene Kindheit von seinen Charakterfehlern geheilt wird und in dem schnuckeligen kleinen Bistro, das die schaffenden Helden aufgemacht haben, die handgemachten Köstlichkeiten verzehrt. Der ganze Film steckt bis zur Halskrause voll mit regressivem ideologischem Müll, aber hey, so was finden die Leute "cute", wenn's nur mit gut animiertem Fell daherkommt.
Dürfen Ihre Kinder das gucken?
Ich guck's mit ihnen zusammen. Und sie hören von mir keine Kommentare.
Ich geh' so selten ins Kino, daß mir bei den im Vorfeld gezeigten Werbe-Ausschnitten aus Filmen, die ich genau nicht sehen will, beinahe die Freude auf den Hauptfilm verdorben wird. Vor einigen Wochen habe ich mir leider den neuen Jack-Nicholson-Film "Das Beste kommt zum Schluß" abgesehen, wobei ich kurz zuvor beinahe abgesagt hätte, weil der deutsche Titel so schrecklich ist. Die Filmchen, die davor angespielt wurden, handelten alle von der Auflösung der "schwierigen" Persönlichkeit in glücklich vor sich strahlender und gemeinsam speisender Familie, und der Möglichkeit der Selbstfindung in derselben, ja, "ideologischer Müll". grusel Der Hauptfilm war dann leider auch bekloppt und peinlich, das Ende prahlte ebenfalls vom besseren Leben in der Kleinfamilie. Ich habe mich sehr geniert und war froh, als der Film zu Ende war, und unangenehm war mir auch, daß die Begleitperson ganz begeistert gewesen ist. Sie allerdings geht sehr oft ins Kino und ist zufrieden allein mit schauspielerischer Leistung; was genau dabei gegeben wird, ist anscheinend völlig egal, Hauptsache, "es ist gut gemacht". Ganz früher ging ich nur zu Tarkoswki ins Programmkino, bis auch er mir irgendwie suspekt wurde, Mütterchen Russland und der liebe Gott, naja. ;-)
Da ist mir doch neulich schon was aufgefallen ....