Waschaktive Substanzen






Zwischen Old-School-Anti68er und Neuem Läuterungs-Anti68er soll angeblich auch mal ein Pro68er Hype stattgefunden haben, auf den sich letztere dann dialektisch beziehen.

(Frühe bis mittlere 90er vielleicht? "geradewegenauschwitz" undsoweiter? Fischer, der alte Haudegen.)


Ich glaube, bei den Alys spielen zwei Strömungen eine Rolle. Erstens ist es leichter, so an Cash zu kommen (konservative Thinktanks, debile Illustrierten mit Provo-Charakter wie die Weltwoche), zweitens braucht man dazu nur die Erkenntnisse aus der RAF-Forschung ein kleines bisschen zu überdrehen, indem man die Baader-Meinhof-Analyse schlicht auf alle anwendet, die irgendwie links gewesen sind. Dazu ist nicht viel Brainpower nötig. Das ist praktisch und gut. Hinterher in die Paris Bar.


@goncourt: ist das nicht eher legende durch frequenz der botschaft, so a la "it's the liberal media..."?


Ich glaube, das Problem liegt schon darin, sich unter dem Schlagwort einer "Generation" profilieren zu wollen. Generation als Einschwörungslegende, vom "Generationenvertrag" bis hin zum "Wir Kinder der 68er".

Ich wüsste gerne, wie man die 68er als Generation oder auch nur als eine Gruppe innerhalb dieser Generation zusammenfassen soll. Sind ja nicht alle Maoisten | Trotzkisten | ÖTV-Aktivisten gewesen. Unter gemeinsamen Transparenten wurden doch sehr entgegengesetzte Positionen eingenommen.

Als Fischer und Schröder die Regierung übernahmen - war das jetzt die 68er Generation, die an die Macht gekommen war, oder nur einfach die Erbengeneration der 50er?

Unter '68 werden u.a. "sexuelle Revolution" und "politische Revolte" abstrakt zusammengefasst, was sich praktischerweise politisch diffamieren, gleichzeitig ästhetisch goutieren lässt. (Erinnerst Du Dich an Peter Struck während der Geschichte mit der 'militanten' Vergangenheit von Fischer/Trittin, als Struck plötzlich versuchte, seine Jugend als die eines rebellischen Rowdies darzustellen?... Die Libertinage der 68er als Projektion der bescheuertsten Leute)

Wäre interessant, eine wirklich kritische Revision dieser Zeit vorzunehmen: die Begriffsverschiebungen, die Gruppierungen, die sich teilweise überschnitten, teilweise auch ausschlossen, das Verhältnis etwa von gewerkschaftlichen Bewegungen und situationistischen Gruppen, die sich gegenseitig ja oft nicht mal im Ansatz ernst genommen haben. Was ist mit der SPD? Die Massenpartei, die Leute wie Gremliza oder Wolfgang Abendroth umfasste, bevor sie sie ausschloss oder rausdrängte.

Das wird durch Aly zugeschüttet, nach dem Muster, nach welchem eigene wie kollektive Erinnerungen für "unsere Generation" herhalten. Identitätsgedöns, das zur Ordnung rufen soll. Es ist eben eine Anstrengung mehr, über die paar gemeinsam geschauten Sesamstraßenfolgen hinaus biografische, soziale, eben: Klassenunterschiede zwischen mir und meinen Mitschülern|Komilitonen|Seilschaftskameraden mitzudenken.

Dass es erst recht schwierig wird, wenn man Emigranten wie Peter Weiss hinzunimmt, womit die "Generation" als Klammer erst recht problematisch wird.

[Ach bitte entschuldigt, das ist ja viel zu lang.]


Aber genau richtig.