Vineland. Es gibt wahrscheinlich immer noch Leute, die das für eine Komödie halten. Aber abgesehen von dem unglaublich komischen Einstieg und einigen Zwischen- und Endspielen, die an diesen Einstieg anknüpfen, ist das Ding von einer unerhörten Negativität, weil es sich unerhört negativen Zuständen widmet. Da hilft auch nicht, dass der kleine Teufel schließlich zur Hölle fährt (weil all die Oberteufel bleiben), und dass der Hund am Ende zu dem Mädchen zurück kommt (in fragiler Auflösung einer der schwärzesten Szenen überhaupt). Ach, es hilft nicht. Die Oberteufel sind so abstrakt geworden, dass man sie nicht einmal benennen kann, und das Mädchen hat sich, wie öfter bei Pynchon, den Teufel an ihre Seite zurückgewünscht (an Stelle des guten Hundes). Wie der Spirit of '67 in die Tonne getreten wurde. Wenn "persönliche Betroffenheit" die Sache Pynchons wäre, in Vineland könnte man Spuren davon finden.
ich persoenlich mag zu dem thema ja "drop city" sehr gerne, aber das liegt evtl daran, das ich tc boyle sehr verehre und hippies schlimm finde.
Sie sind auch schlimm. Nichts kommt deutlicher in Vineland raus als das.
Brock Vond sieht aber auch als Sieger scheisse aus, muss man sagen. Paranoiapolitik als Lose-Lose-Situation. Beinahe adornoid.
Vond ist doch die ärmste Sau im Text, sieht man ja an seiner schlussendlichen Höllenfahrt (Verwandlung in einen Thanatoiden). Wenn Vineland eine Faschismus-Theorie anzubieten hat, dann doch die, dass Faschisten sehenden Auges die Hölle wählen, weil sie nicht anders können - am deutlichsten verbalisiert in der Vermutung Zoyds, Vond sei nur eine urbane Version der Hillbilly-Nazis mit ihren "Death'n Me"-Tattoos. Man denke auch an den Versuch Frenesis Vond zu Beginn ihrer "Beziehung" zu heilen, und an sein Gelächter darüber.
Je mehr ich drüber nachdenke, desto mehr kommt mir Against The Day wie ein thematischer Widergänger von Vineland vor.
Yep. Das ist zumindest ein Strang von ATD. Wie heißt der kleine dumme Ficker noch, der Web Traverse im Auftrag dieses Großindustriellen umbringt? Und die ganze Story mit der Traverse-Tochter, die den Killer dann heiratet, das ist schon eine Wiederaufnahme der Brock Vond / Frenesi Gates-Konstellation. Frenesi stammt ja auch von der Traverse-Familie ab. Usw.
Das, so wage ich mich hiermit vor, hat durchaus die charakteristische Wucht des Autobiographischen.
Könnt was dran sein. Meine Bemerkung zur "persönlichen Betroffenheit" (s. oben) geht ja in dieselbe Richtung.