Er hat mir nichts hinterlassen, dafür war die Zeit nicht. Neun Stunden vom ersten Kopfschmerz bis zur letzten Bemerkung der Klinikärztin reichen dafür nicht aus, und er war schon nach etwa einer Stunde nicht mehr ansprechbar. Er war hoffentlich nicht nur unansprechbar, sondern auch schmerzfrei. Es fallen mir Dinge in die Hände. Sie kommen auf mich, als seien sie für mich angeschafft worden: ein Computer, eine Jacke, ein Rucksack. Da steckte noch ein Kompass drin, von seiner letzten Wanderung. Er wollte immer die besseren Geräte, die wertigere Ausführung. Der Kompass und der Computer sind Beispiele dafür. Die Elemente des Periodensystems wurden einst von den Sternen gemacht, und jetzt sind sie zusammengesetzt zu Menschen, Computern und Kompassen. Unsterblichkeit ist auf diese Weise einfach und bitter. Er hat auch uns nicht hinterlassen. Das würde ja voraussetzen, dass er irgendwo hin gegangen ist. Was bedeutet: "Es bleibt dabei"? Der Riese meiner Kindheit ist tot.






Auch wenn das immer lahm und schal klingt: Mein Beileid.

An dem Punkt war ich vor knapp zwei Jahren. Und obwohl mein Vater nur 70 wurde, war ich dankbar, dass es schnell und plötzlich kam -- wer möchte seinen nächsten Verwandten schon bei jahrelangem Leiden zusehen, wissend, dass es ihnen schlecht geht, sie Schmerzen haben, es immer schlimmer wird und man nicht wirklich etwas für sie tun kann. Nein, da war gar keine Krankheit vorher; meine Eltern waren mit dem Auto auf den Weg in den Urlaub. Dann im Hotel plötzlich Herzversagen. Die Notärzte kamen zu spät.


Ja, das stimmt. Eine jahrelange Pflegebedürftigkeit hätte niemandem genützt. Dann wiederum: Wenn es so plötzlich kommt, steht man da mit offenem Mund und weiß nicht, wie einem geschieht. Der Tod hat wirklich einen extrem schlechten Job: Er ist hässlich und kann es niemandem recht machen. Danke für dein Beileid.


Alles fragil. Mein Beileid.


Danke.


Das ist bitter. Ich wünsche Ihnen viel Kraft.


Danke.


Man kann nicht viel dazu sagen. Beileid auch von mir.