Grand Hotel Blue Ant
Der Zürisee war aus Eisen und hielt seine Boote mit zärtlicher Strenge fest, damit sie nicht verloren gingen.
Im Hotel gab mir die Rezeptionistin nicht nur das Gefühl, außerordentlich willkommen zu sein. Sondern sie begrüßte mich auch wie einen alten Bekannten: Ich sei ja schon einmal hier gewesen. Was auch stimmte, vor acht Jahren nämlich.
Das Hotel hatte den Besitzer gewechselt und war völlig umgebaut worden in der Zwischenzeit, aber meine Daten, die hatten sie noch da, einschließlich eines Tippfehlers, der mich fünf Jahre älter machte. Künstliche Alterung, künstliche Unsterblichkeit, unter Hotelverschränkung.
Es gibt einen Grad der Modernität und des Luxus, der mich immer noch ratlos macht. Speisekarten wie diese sehe ich zweimal im Jahr, und dann esse ich, was ich annähernd kenne. Man soll sich außerhalb seiner Komfortzone bewegen, aber ich will auch, dass das Essen mir schmeckt. Man wird älter, man wird konservativ.
Abends beschloss der See, sich zu verwandeln in den Stamm eines liegenden Weihnachtsbaumes, dessen elektrische Dekoration neckischerweise eingeschaltet war, aus Anlass der allgemeinen Festlichkeit des Lebens nämlich. Ich unterstützte das mit Nachdruck.
22 Teilnehmer, natürlich alle digital bewaffnet. Anzahl der Waffen ohne Apfel auf dem Rücken: 4. (Zwei Blackberries, ein Acer Tablet, eines von Samsung). Die Blackberry-User hatten jeweils auch noch ein Apfel-Gerät dabei. Mit der Angst kriegen kann man es.
Aber nicht auf den freundlichen Höhen am See.