Inzigkofen liegt trotz seines Namens nicht in Bayern, sondern in Baden-Württemberg. Hauptattraktion: Der „fürstliche Park“, einst ein Amüsierbetrieb für die Hohenzollern, heute nur noch ein Ziel für geruhsame Spaziergänge, die sich als Wanderungen ausgeben wollen. Schön ist es da. Es gibt ein Denkmal für einen Fürsten, der während der Französischen Revolution als angeblicher Dantonist hingerichtet wurde (1794). Es gibt die Donau, prähistorische Höhlen und exzellente Felsen und Schluchten. Bei der Beschreibung der ebenfalls vorhandenen „Teufelsbrücke“ fällt automatisch der Begriff „wildromantisch“. Und dann ist da die „Eremitage“, allerdings eremitenfrei. Stattdessen findet man dort die sogenannte „Meinradskapelle“, bei der ein Stein mit folgender Inschrift liegt: „In Erinnerung an unsere Helden von Stalingrad – 2. Februar 1943“. Auf der zugehörigen Erklärtafel heißt es, dass man das damals (1948) so gesagt hat, dass es heute aber befremdlich wirkt. In den 1960ern gab es dort große Gedenkfeiern.
Sigmaringen ist nur wenige Kilometer entfernt. Es handelt sich um eine hoch verzollerte Kreisstadt. Das Hohenzollernschloss im Stadtkern verlässt sich auf den Disney-Retro-Stil für nostalgiekranke Fürsten, den man auch von der anderen Scheußlichkeit in Hechingen kennt. Passgenau war diese Kappesburg ab dem 7.9.1944 der letzte Sitz der Vichy-Regierung. In einem der lokalen Eiscafés steht ein sogenanntes „Kongo-Eis“ auf der Speisekarte. Wenn man wissen will, warum dieses Eis so heißt, bekommt man zu hören: wegen der Schokoladensoße. Es sei aber nichts Böses gemeint damit.
Direkt gegenüber der Ferienunterkunft steht eine dieser Karren: Deppenspoiler, zwei fehlende Radkappen, Schrieb auf der Heckscheibe. Diesmal lautet er nicht „Böhse Onkelz“ sondern „Deutsches Kulturgut“. Fraktur, selbstredend.
[Für wenn man sich fragt, warum wir Flüchtlinge an den Grenzen Europas sterben ließen.]
[Für wenn man mich fragt, was denn gecancelt werden sollte, rein kulturell. Aber nur beispielshalber.]