Dieser ökopaxe Utopiehorizont im Anime geht mir doch gehörig auf die Nerven. Während andauernd zu Unterhaltungszwecken geballert wird, dass die Fetzen fliegen (wogegen an sich ja auch nichts einzuwenden ist), beschwört man gleichzeitig den Frieden, die Liebe, die Reinheit der Natur. Zum Beispiel bei Last Exile und Wonderful Days. Je nun, beide Produkte sind schön. Wie so oft im asiatischen Anime kann einen die Schönheit vor den Kopf stoßen, weil sie mit Haken und Ösen versehen wird, die kein westlicher Filmemacher dort applizieren würde, wo sie im asiatischen Bezugsrahmen auftauchen. So gesehen ist der Konsum dieser Filme ein ständiger Kulturschock für mich. Ich sehe wohl, was da passiert, aber erklären kann ich es mir häufig nicht. Am kriminellsten wird es, wenn das asiatische Produkt westliche Versatzstücke aufgreift und in die eigenen Erzählstrategien einbaut. Da flimmert das Geschehen nur so zwischen meinen Erwartungshaltungen hin und her, und ich muss denken: "Was? Was? Was ist das? Heiliger Roland, hilf!" Das Ende von "Wonderful Days" ist ein unsägliches Verrecken im Kitsch, das noch über den kalten Fieberwahn der Endsequenz von Das Schloss im Himmel hinausgeht. Dazu natürlich Opernarien, was auch sonst. Bei "Wonderful Days" die zusätzliche Verwirrung, dass das Koreanische sehr eng mit dem Japanischen verwandt ist, aber doch eine andere Lautgestalt hat. Man glaubt etwas zu hören, was man wenigstens klanglich schon kennt, sieht sich aber im nächsten Moment wieder getäuscht.