Werner Bräunig: Rummelplatz. Zuerst dachte ich ja, er sei so eine Art Ost-Gegenstück zu R. Lorenzen, aber er ist viel eher, auch stilistisch gesehen, ein in der DDR gebliebener Uwe Johnson. Wie Bräunig gekämpft hat darum, seins sagen zu dürfen und trotzdem auf Linie zu bleiben. Und wie das nicht ging. Wie sie den gefickt haben, bis er nicht mehr konnte. Der Roman ist groß mit großen Schwächen. Da hatten die Zensoren recht, dass der Teil, der in Westdeutschland spielt, überflüssig ist. Nicht dass Bräunig sich dort nicht ausgekannt hätte, er war dort gewesen, ein Republikflüchtling, dann zurückgekehrt in den A&B-Staat. Aber das wirkt über weite Strecken blass klischiert. Wo er wirklich packt - z.B. bei der Figur Peter Loose, die seiner Herkunft wohl am ähnlichsten war: Raufbold, halbkriminell, Schwarzmarktgeschäfte, seelische Kriegsschäden, guter Mann. Und er packt bei Christian Kleinschmidt, der seiner persönlichen Utopie wohl am ähnlichsten war: Bürgersohn, in Ablehnung des Professorenvaters, studierwillig, aber in dieser Willigkeit behindert durch den A&B-Staat, Umweg über die Wismut zwecks Verbesserung der eigenen Vita, dort den Sozialismus erlernend, guter Mann. Wie die beiden nach der gemeinsamen Zeit im Schacht auf einem Hügel stehen, und sich nicht sagen können, dass sie einander gern haben. Wie verzweifelt der Roman dann zum Schluss hin den Erwartungen der Zensoren gerecht werden will, und es immer noch nicht kann. Wie sie Bräunig in endlosen Partei-, Gremien- und Ausschußsitzungen durch Kritik & Selbstkritik zermürbten, ein elender ideologischer Spießrutenlauf ins Nichts. Wie der Roman als Trümmerhaufen zurückblieb, mit einigen, vielen Bestandteilen, die im Dunkeln leuchten.






Komiteeliteratur. Wie haben die sich das vorgestellt?


Falls dir das Buch in die Hände fällt: blättere mal den Anhang von Angela Drescher durch. Man kriegt das kalte Würgen. Saudumme Apparatschiks der fünften Garnitur, die gegen "Pornographie" und "Rowdytum" blöken und natürlich nur das Proper-Positive an der Frühzeit der DDR dargestellt gesehen sehen wollen (als wäre davon zwischen 1949 und 1953 angesichts der vorherrschenden Umstände überhaupt viel möglich gewesen!) Und weil sie Bräunig, den sie vorher mit seinem Zutun zum Posterboy der neuen Arbeiterliteratur aufgebaut hatten, nicht einfach so direkt absägen konnten, haben sie ihn klein gemahlen, in einer feinen Intrige, die vom ZK über die Amtsblätter und den Mitteldeutschen Verlag bis zum Schriftstellerverband und zurück reichte. Jedem Idiot hätte klar sein müssen, dass Bräunig für die DDR ein Asset erster Güte war, stattdessen wurde er sauber zerspant. Die DDR ist an Vielem zugrunde gegangen, aber an so einem Scheiß auch.


Fertigmachen, der wahre Volkssport.


am rande: endlich sind die überschriften im rss-feed wieder da.