Dieses Bild aus dem Zweiten Weltkrieg bewegt mich seit Tagen. Der Mann ist tot (laut Bildlegende Opfer eines deutschen Scharfschützen), aber er wirkt präsent und lebendig. Man merkt auf den ersten Blick nicht, dass etwas nicht stimmt, dass nichts mehr stimmt. Die Zärtlichkeit, mit der er im Tod seine Waffen hält, ist irgendwas zwischen rührend und verstörend; dass ich ihn in die Arme nehmen möchte ebenso.
Silversharks [größer]
Cephalos [größer]
I love you, Google News.
Hell is colorful [größer]
Counterexorcism [größer]
Summer fights back
Wenn man morgens den Weg über die Dörfer und Vorstädte nimmt, kann man sehen, was es alles gibt. Die Menschen sind nach außen gekehrt unterwegs und stellen die Gesellschaft dar, oder die Welt. Wie bei einer traditionellen Rathausuhr, die nacheinander den Steinmetz und den Bischof sagen lässt, wie viel es geschlagen hat. Man sitzt noch nicht vor den Bildschirmen. Man hat noch keinen Schutz vor den Blicken der Reisenden, sondern ist selber einer. Verwundbarkeit macht meistens ein bisschen kopfscheu, so früh am Tag sind alle dumm. Die Bäcker haben einen Vorteil, sie sind schon vorher losgelaufen, und kennen den Weg durch den Tag. Aber wer kann verlangen, dass sie deswegen von ihren automatischen Öfen absehen und anderen erklären, wie es geht? Alles ist da. Zum Beispiel Streifenwagen der Polizei, die schon jahrelang anders aussehen, und dadurch Unruhe schaffen. Es gibt Eisdielen mit großen, ausgeblichenen Plastikeistüten vor dem Eingang, die gegen Vandalismus und Gleichgültigkeit angekettet sind. Das Pistazieneis in diesen Plastikeistüren wirkt nostalgisch und einladend. Pistazieneis zu erfinden war ein Schachzug. Die Bankfilialen, die es hier noch gibt, wachen gerade elektronisch auf. Sie liegen wie kleine Burgen am Straßenrand; Burgen, die dummerweise nicht auf Hügeln oder Bergen errichtet wurden und jetzt durch Panzerglas, dunkle Anzüge und Krawatten geschützt werden müssen. Man kann das belächeln, aber es ist wahr und wirksam. Ein Beerdigungsinstitut am Morgen, das noch zwei Stunden geschlossen sein wird, ist eine Ermahnung, den Tag zu füllen mit Gefuchtel und Geschrei. Und es ist eine Bank, die Gefühle speichert, in allgemeinverständlichen Zeichen. Man sieht einen Werkhof und ein soziales Projekt, beides schäbig und gebraucht, in beidem herrscht der Dunst. Dörfer und Vorstädte sollen hauptsächlich auf dem Land liegen, aber das ist ein Irrtum, denn das Land ist vor beidem geflohen, die klassische Landflucht also. Natur besteht aus Nachdruck, praller Vegetation und anderen Aufgelassenheiten. Beispiele sind: der nutzlose Altarm eines Flusses oder ein Weg, der schon fast keiner mehr ist. Dann wieder ein Supermarkt in vollem Betrieb, oder ein anderes Unterfangen, das auf Lastwagen setzt. Man stelle sich den Lastwagen wie eine Wurst vor, bei der die Pelle aus Stahl oder Plane ist und niemals mitgegessen wird. Praktischer geht es kaum: Eine gigantische Wurst, die man immer wieder entleeren und neu füllen kann. Weil sie Räder hat, ist sie jeweils dort, wo sie gewollt wird. Unverhofft kommt eine Fußgängerampel. Ampeln haben die Aufgabe, hinaus und hinein zu winken. Sie neigen zur Gewissenhaftigkeit. In dieser Hinsicht sind ihnen die Menschen gleich. Viele fahren nicht bloß so umher. Sie gehen an ihren Arbeitsplatz und stellen sich dort auf. Wenn man alles nicht so genau sieht, wird es weich wie ein Hase.
© Marcus Hammerschmit, 2011
Meat [größer]
Nächste Seite