Wenn die Brille der Zahnarzthelferin beschlägt, weil ich sie bei der Zahnsteinentfernung zwangsläufig anatme. Nähe, Schmerz & Embarrassment sind euer Metier, Zahnarzthelferinnen. Später empfiehlt sie mir noch eine "professionelle Zahnreinigung" jenseits der Kassenleistungen. Ich frage, ob die Zahnreinigung, der ich gerade in diesem Moment unterliege, nicht professionell sei? Es ist als Scherz gemeint, wird aber nicht so verstanden. Sie beginnt sich zu rechtfertigen. Beim Polieren geht es in meinem Mund etwas ruppiger zu.
Dann erst kommt die Chefin und erklärt, was in diesem Mund alles falsch ist. Vielleicht so falsch, dass sogar die Kasse zahlen wird, um es wieder in Ordnung zu bringen. Man wird schauen. Man muss sehen. Es prasseln die Termine.
Betrübt nach Hause. So früh am Morgen kann ich kein Sünder sein, ohne mich schlecht zu fühlen.
Piff Paff Nr. 3 [mov]
Die Rettung.
Heilig Blut. Ehemaliger Wehrdienstverweigerer geht mit den Altnazifreunden seines Vaters in Urlaub und erlebt sein braunes Wunder. Bernhardsche Wucht, Bernhardscher Wiederholungszwang; manchmal denkt man, das hat man jetzt aber öfter gehört u. gedacht u. durchgekaut, und dann schlägt Elsner einen Haken, und man muss wieder staunen. Die Barbarei kommt dabei manchmal gar nicht so sehr in den Handlungen der Barbaren zum Ausdruck. Der Mord, der in diesem Buch geschieht, ist ja auch gar keiner, sondern eher ein Versehen. Der Umgang mit diesem Versehen, mit dem Opfer; die Sprache, in der sich die Täter darüber unterhalten, und wie sie sich gegenseitig bis aufs Blut triezen, das ist schon alles sehr lesenswert. Worauf ich bisher in den (Kurz-)Kritiken noch keinen Hinweis gesehen habe: Das Buch ist zwar einfach gesetzt und gedruckt, aber der Einband ist ein echter Glücksfall. Genauso nüchtern und trocken, so unrot muss das verpackt werden.
Endlich wieder Amoklauf. Totaler Jubel in den Medien.
Nach Mulch und Boing Boing jetzt Strunk. Ich will Sachen lesen wie:
Maximal
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Dass nach mir überhaupt noch Menschen geboren worden sind, ist mir immer sinnlos erschienen. Sich selbst als das Ende zu sehen, sollte steuerfrei bleiben.
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Dauernd kein Geld haben ist ja fast dasselbe wie arm sein, finde ich.
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Tschu-En-Lai, singt die Goldammer.
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Begierig zu erfahren, was vom Tage übrig blieb, drehte ich die Tastatur um. Das Ergebnis war unerfreulich: Brösel unklarer Herkunft, Fingernägel vom letzten Beschnitt, eine tote Ameise. Da sagte ich mir: Du musst dein Leben ändern.
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Einmal habe ich einen Jimi-Hendrix-Aufkleber besessen. Der schaut aber traurig, dachte ich immer, wenn mein Blick auf ihn fiel.
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Erst Glückskekse. Dann Pflaumenwein. Dann wieder Glückskekse.
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Die Magnetkraft der Erde, auch so ein Missstand. Umzingelt von Feldlinien wird einem das Eisen im Blut schwer.
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Kennen Sie Koriander? Gewürze haben es in sich. Genau wie Gesetze.
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Neulich war mein großer Tag. An meinen Händen entdeckte ich jeweils einen Extrafinger, die waren mir wohl über Nacht zugelaufen. Hexadaktylie hat Zukunft.
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Denken Sie einmal an Philip Melanchton. Was fällt Ihnen ein zu seiner Kinnspalte?
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"Bäh" hat neuerdings keine Kraft mehr. Ich bin zu "Igitt" gewechselt, mit Jahresvertrag.
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Früher hießen viele Menschen Norbert. Sogar Mädchen wurden so genannt, rein aus Enthusiasmus für grundgute Namen. Hört man jetzt seltener. Ein Erschlaffungssysmptom, sicherlich.
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Borax. Alaun. Esbit. Das wurde alles verdrängt, und was an seine Stelle trat, braucht immer noch unsere Unterstützung, um in die Welt zu reifen. Man hat auch eine Verantwortung für das Neue.
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Gefönt von der Liebe zum schönen Leben.
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Wer nicht kann richtig die Hände halten beim Diskurs, der soll auch sonst nicht so sittlich tun.
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Dennerstag. Klingt gleich besser.
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"Etiamsi" hingegen - kein Produkt mit Massenwirkung.
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Seht sie euch an, all die Abgänger von der École Normale Suborbitale. Ballistiker sind sie geworden, und jetzt herrscht eine Schwemme.
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Dringender Verdacht, dass der Raum doch nicht gekrümmt ist, sondern eher gekräuselt.
© Marcus Hammerschmitt, 2006
Wundergang des Abendlands. Flaschenetikett.
Was einem so in den Sinn kommt dieser Tage. Da Menschen auch Orte sein sollen - "Filbing" und "Oetting". Lässt mich sofort an Heilig Blut denken, lese ich gerade. 30 Grad im April.
Pop-Phänomene immer unter dem Aspekt der Verdauung und Selbstverdauung betrachten.
Aber die Wärme, die das Laptop abstrahlt, hilft schon noch beim abendlichen Sitzen auf dem Balkon.
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